Kategorien
Movie

»Martin Eden«

This event was hold on the 29th of August 2021 | »Martin Eden« scored 7,75 Genusspunkte | @ 3001


Genauso Highlight wird wohl »Martin Eden«. Eine italienische Umsetzung des legendären Romanklassikers von Jack London, über die Lebensgeschichte eines Seemanns und angehenden Schriftstellers in Zeiten des auflammenden Sozialismus. Schon seit Venedig gefeiert kommt die epische Verfilmung über den Freiheitskampf endlich nach Deutschland und rangiert ganz vorne unter den Jahresfavoriten. Besonders die herausragende Leistung von Hauptdarsteller Luca Marinelli bejubelte man überall und wurde mit Preisen überhäuft.

Joris
Nachnussige Klarheit vor Silhouette des Hamburger Hafen nach Durchquerung des Eurotunnels
Trailer zu » Martin Eden «

Kategorien
Movie

» The Father «

This event was hold on the 29th of August 2021 | »The Father« scored 9,5 Genusspunkte | @ Savoy


Ihr seid zu alt für den Scheiß? Wisst ihr wer auch alt ist? Anthony Hopkins. Für seine bewegende Verkörperung des dementen Anthony in »The Father« erhält der legendäre Hannibal-Lecter-Darsteller seinen zweiten Oscar. Das kleine intime Drama war aber noch für fünf weitere Academy Awards nominiert und erhielt etliche weitere Preise. Hopkins ist jedoch nichteinmal die einzige Koryphäe, sondern hat auch noch Oscarpreisträgerin Olivia Colman (»The Favourite«, »Fleabag«) an seiner Seite. Da dürfte es Tränen, aber auch Genusspunkte regnen.

Joris
Wenn die BauCons-Event-Abrechnung kommt und man erfährt, dass die Teslafahrt doch nicht inklusive war.
Trailer zu » The Father «

Kategorien
Movie

»Candyman«

This event was hold on the 28th of August 2021 | »Candyman« scored 3,33 Genusspunkte | Filmpalast


This is horror with grandeur, a movie that pays homage to history and feels so of-the-moment as to seem fresh out of the lab…Candyman, the glossiest horror movie in ages, isn’t just horror. It’s horror that reaches for the Latin in that MGM (which produced the original film and gets co-credit here) logo we see in the opening credits — “Ars gratia artis,” “art for art’s sake.”

Roger Moore in Movie Nation
Lennart war glücklich, den GameStop-Deal mit einem Handschlag abschließen zu können. Doch irgendetwas sagte ihm: die Sache hat einen Haken.
Trailer zu »Candyman«

Kategorien
Preview

Preview September

Nachdem im Juli und August der Karren randvoll mit allerlei Waren fernster Länder hinter Orient und Ozean war, lässt die September-Ladung geschmeidig in den Kofferraum wuchten. Diesmal auch wenig Exotik, wenig Kunstkino, viele weiße Männer in Action. Zumindest, wenn »The Painted Bird« wirklich nicht nach Hamburg kommen sollte. Dazu würde ich mich sonst nochmal melden. Aber auch ohne den tschechischen Leviathan, haben wir zwei Giganten in petto. Zwei Mal vier Buchstaben, beide Male an dritter Stelle ein N: »Dune« und »Bond«.

Zuvor bleiben wir aber in der unmittelbaren Realität. Es braucht nämlich gar nicht immer Weltraumkrieger und Superagenten. Manchmal braucht es auch nur einen einfachen Mann, den Bohrarbeiter Bill Baker. Wegen Mordverdachts wird seine Tochter während des Auslandstudiums in Südfrankreich inhaftiert. Als Bill nun deshalb nach Europa reist, muss der Amerikaner feststellen, dass die Sache komplizierter liegt als erhofft. Nicht nur wird der Justizfall immer auswegloser, vor allem verfängt sich Bill in einem ganz persönlichen Kampf um sein amerikanisches Heldentum. Ergo ist »Stillwater« kein bloßer »Taken«-Abklatsch, sondern durchaus auch eine kritische Reflexion des patostriefenden Man-on-a-Mission. Der auf einem echten Fall basierende Thriller wurde in Cannes extrem kontrovers aufgenommen, aber gerade das macht ihn nicht uninteressant. Zumal Regisseur Tom McCarthy mit seinem oscarprämierten Journalistendrama »Spotlight« mehr als überzeugen konnte. Außerdem scheint Matt Damon (»Bourne«-Reihe, »Good Will Hunting«, »Ocean’s«-Trilogie, prägnant erwähnt in »Team America: World Police«) endlich mal wieder richtig aufzudrehen.

Trailer zu »Stillwater«

Ziemlich einheitlich dürfte die Vorfreude auf »Dune« sein. Anfang September wird er in Venedig seine Weltpremiere feiern, aber die Zeichen könnten für die Neuverfilmung von Frank Herberts legendärem Sci-Fi-Roman kaum besser stehen. Nicht nur liest sich der Cast aus Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Oscar Isaac, Josh Brolin, Zendaya, Javier Bardem, Chang Chen, Dave Bautista, Jason Momoa, Stellan Skarsgård und Charlotte Rampling wie ein Wunschzettel für Weihnachten und Geburtstag. Es sitzt vor allem Denis Villeneuve (»Arrival«, »Sicario«, »Prisoners«), Preisträger der Platinum Schnecke als Regisseur des Jahrzehnts, im Regiestuhl. Als Beigabe gibt es noch Bilder von Greg Fraiser (»Rogue One«, »Vice«) und Musik von Hans Zimmer (»Inception«, »Interstellar«, »The Dark Knight«), der für dieses Projekt Nolan die Zusammenarbeit für »Tenet« abgesagt hat. Obwohl »Dune« eine berüchtigte Herausforderung ist, stehen die Zeichen für den Film des Jahres also verdammt gut. Dennoch: obwohl das Epos über fürstliche Schlachten, Wüstenplaneten und riesige Sandwürmer sich über 155 erstreckt, ist es sogar nur die erste Hälfte der geplanten Endvision. Damit wir die Vollendung auch gefahrlos erhalten: Alle rein. Pflichtfilm wäre wohl noch untertrieben.

Trailer zu »Dune«

Aber schalten wir nochmal einen Gang runter. Sowohl Villeneuve als auch Herbert sind eher für verhaltenen Humor bekannt, weswegen eine Kontrastkomödie wohl ganz wohltuend sein sollte. Und genau das kann ich mit »Curveball« anbieten. Die deutsche Groteske erzählt von dem wahren Fall eines Asylbewerbers, der Anfang 2000 dem BND erzählt, er sei im Irak an der Herstellung von Anthrax beteiligt gewesen. Durch eine unglückliche Verkettung von Idiotie führt die haarsträubende Behauptung schließlich zum Einmarsch der USA in den Irak 2003. Schwarzhumorige Satire mit sehr viel trockener Lakonie. Definitiv nicht die üblich dröge deutsche Geschichtsstunde, sondern erin ziemlich vielversprechend schräger Spaß.

Trailer zu »Curveball«

Den Deutschen traut man keine Comedy zu? Na gut, dann vielleicht den Dänen. Die bewiesen ja nicht zuletzt mit »Adams Äpfel« oder »Dänische Delikatessen« ihr Talent für rabenschwärzeste Komik mit herzlicher Skurrilität. Der Regisseur der beiden Genannten, Anders Thomas Jensen, ist nun zurück und hat erneut Mads Mikkelsen im Gepäck. Dieser spiel in »Helden der Wahrscheinlichkeit« einen bärtigen Armeeveteran, der nun auf Rache für den Tod seiner Frau bei einem Anschlag sinnt. Unterstützung bekommt er dabei von einer bizarren Truppe Spinner und unscheinbarer Außenseiter, die ihn auf die Fährte einer üblen Bikergang bringen. Angenehm exzentrisch gelingt Jensen ein weiterer Hit in seiner Heimat, der auch im Rest der Welt überall bejubelt wird. Die Wahrscheinlichkeit für einen guten Abend scheint mir da sehr hoch.

Trailer zu »Helden der Wahrscheinlichkeit«

Genug gekichert, zurück zum Ernst. In »Schachnovelle« geht es um einen Wiener Anwalt, der 1938 vor den Nazis über den Atlantik in die Staaten fliehen will. Jedoch wird seine Frau von der Gestapo festgenommen, was den ihn in die Zwickmühle bringt, mit den Deutschen zu verhandeln. Er findet schließlich einen Ausweg zum gerechten Duell: Schach. Bevor nun jeder weiterscrollt Och nee, kein deutsches Nazidrama, sei erläutert, warum das Projekt so vielversprechend ist. Zum einen ist da das Ensemble, was mit Oliver Masucci (»Er ist wieder da«), Birgit Minichmayr (Preisträgerin der Goldenen Schnecke; »Alle anderen«, »Das weiße Band«) und Albrecht Schuch (»Berlin Alexanderplatz«, »Systemsprenger«) ziemlich beeindrucken kann. Zum anderen dient aber Stefan Zweigs gleichnamige Novelle als Vorlage. Nicht nur gilt Zweig als einer der bedeutendsten Literaten der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhundert. Seine Schriften dienten unter anderem als Vorlage für »Grand Budapest Hotel«, dessen Erzähler ihm nachempfunden ist. Und jene, die nach »Queen’s Gambit« Schachfans geworden sind, kommen vielleicht auch noch ihre Kosten. Wenn das keine matt-setzenden Argumente sind.

Trailer zu »Schachnovelle«

Wer wohl keine Argumente mehr braucht: Bond, James Bond. Endlos verschoben, soll er jetzt endlich am Monatsende in die Kinosäle kommen. Es dürfte klar sein, was einem erwartet. Atemberaubende Agentenaction, schöne Frauen, coole Sprüche. Jeder dürfte wohl schon vor Monaten, vielleicht Jahren entschieden haben, ob er mit will, also müssen gar nicht mehr viele Worte verloren werden. Entweder man ist geschüttelt oder gerührt. Ich freue mich jedenfalls sehr, dass es endlich Zeit für »No Time to Die« ist.

Trailer zu »No Time To Die«

Für unseren einzigen Online-Start gehen wir auf einen ganz kleinen Maßstab zurück. In »Anne at 13,000 Ft.« geht es um den Alltag einer jungen Frau. Das wars auch schon. Der Film fängt den Stress, den Druck und die scheinbar simplen Herausforderungen des Lebens sehr genau und empathisch ein. Ein kleines, intimes Charakterporträt aus Kanada, dass mit seinen dynamischen Bildern und der herausragend authentischen Hauptdarstellerin beim Filmfestival von Toronto Kritiker und Publikum gleichermaßen für sich gewinnen konnte. Die bezaubernde Perle bringt uns MUBI zum Ende des Monats.

Trailer zu »Anne at 13,000 ft«

So, immerhin noch eine Frau in die Männerriege bekommen. Nichtsdestotrotz sollte wohl sowieso für jeden etwas dabei sein. Von Hochspannung bis Lachabend ist alles dabei, von Indie-Drama bis Blockbusterspektakel wird abgeliefert. »Dune« stellt wohl alle in den Schatten, aber der Rest muss sich nun auch nicht verstecken. Gebt vielleicht auch den deutschen Kandidaten bei Interesse mal eine Chance. Mehr bleibt auch gar nicht zu sagen, außer dass dies der letzte Monat sein wird, in dem der JFK-Präsident vollständig anwesend sein wird. Danach ist die Kompanie weitgehend auf sich gestellt. Aber keine Angst: die Monatsabrisse werden weiter professionel geliefert. Denn wie ich aus jahrelangem Battlerapstudium gelernt habe: auf die Delivery kommt es an.

Kategorien
Movie

»Fabian oder der Gang vor die Hunde«

This event was held on the 6th of August 2021 | »Fabian oder der Gang vor die Hunde« scored 8,25 Genusspunkte | Scala


Unser deutscher Regieveteran Dominik Graf hat sich Erich Kästners Roman »Fabian oder der Gang vor die Hunde« geschnappt und im großen Stil für die Leinwand adaptiert. Nach “Berlin Alexanderplatz« gleich der nächste große Berlinroman aus den letzten Tagen der Weimarer Republik, diesmal jedoch in der Originalzeit von 1931 bleibend. Dort geht es um Werbetexter Jakob Fabian, der ziellos durch die Städte und Straßen treibt. Bald jedoch beißt sich seine ironische Distanz die Zähne sowohl an der Politik als auch den Menschen aus. Und schließlich an sich selbst. Grafs Film wurde als einer der Höhepunkte der diesjährigen Berlinale gefeiert und wartet mit starker Starpower auf. Nicht nur ist Tom Schilling (»Oh Boy«, »Werk ohne Autor«) in der titelgebenden Hauptrolle zu sehen, sondern auch Albrecht Schuch, der zuletzt als Reinhold in eben jenen »Berlin Alexanderplatz” begeistern durfte.

Joris
Ein Mord durch ersticken wird Zwangsinhalation als Rauchvergiftung getant werden.
Trailer zu »Fabian oder der Gang vor die Hunde«

Kategorien
Preview

Preview August

Endlich wieder Kinoluft geschnuppert? Jaaa. Einen schönen Zug frische Popcornluft in die Nase gesogen, einen Slushy geschlürft und wieder durch den Eurotunnel gefleezt. Wir sind wieder im Turn, wir grooven, wie grinden mit Delfinen. Die Toplistenspitze wechselt jede Woche, die Ereignisse überschlagen sich. Was kann da denn noch ein neuer Monat großes bringen? Das wird die Zukunft zeigen, wird aber auch aus der Vergangenheit lesbar sein und schließlich als Gegenwart voll in unser Gesicht knallen. Er kommt ins Ghetto geknallt: der August.

Am Anfang unserer Reise durch die Zeiten steht etwas Historisches. Denn unser deutscher Regieveteran Dominik Graf hat sich Erich Kästners Roman »Fabian oder der Gang vor die Hunde« geschnappt und im großen Stil für die Leinwand adaptiert. Nach „Berlin Alexanderplatz« gleich der nächste große Berlinroman aus den letzten Tagen der Weimarer Republik, diesmal jedoch in der Originalzeit von 1931 bleibend. Dort geht es um Werbetexter Jakob Fabian, der ziellos durch die Städte und Straßen treibt. Bald jedoch beißt sich seine ironische Distanz die Zähne sowohl an der Politik als auch den Menschen aus. Und schließlich an sich selbst. Grafs Film wurde als einer der Höhepunkte der diesjährigen Berlinale gefeiert und wartet mit starker Starpower auf. Nicht nur ist Tom Schilling (»Oh Boy«, »Werk ohne Autor«) in der titelgebenden Hauptrolle zu sehen, sondern auch Albrecht Schuch, der zuletzt als Reinhold in eben jenen »Berlin Alexanderplatz“ begeistern durfte.

Trailer zu »Fabian oder der Gang vor die Hunde«

Wir springen etwas nach vorne, bleiben aber im Land. Also so halb, wortwörtlich. Denn es geht um das geteilte Deutschland in »Nahschuss«. Erzählt wird eine echte Spionagegeschichte des DDR-Geheimdienstagenten Werner Teske. Mit starken Schauspielern wie Lars Eidinger (»Proxima«, »Personal Shopper«) oder dem grandiosen Devid Striesow (»Der Untergang«) durchleuchtet der Film genau die Abwärtsspirale in den Fängen des Stasi-Apparats.

Trailer zu »Nahschuss«

Och nee, nicht so deutsche Drögheit, nicht wieder Geschichtsstunde. Kein Problem, für die Gelangweilten können wir den Regler etwas aufdrehen und springen ins dystopische Cyberpunk-Miami. Dort siedelt »Reminiscence« nämlich seine Detektivgeschichte rund um eine Suche nach Erinnerungen zwischen überschwemmten Straßen und virtueller Realität. Ein pompöse Produktion, starbestückt mit Hugh Jackman (»X-Men«-Reihe, »Les Misérables«, »Prisoners«) und Rebecca Ferguson (»Mission: Impossible – Fallout«, »Dune«), trotzdem aber vielleicht aufgeblasenes Blockbusterblabla. Zuversicht gibt aber die Dame, die dahintersteckt: Lisa Joy. Joy ist nicht nur Schwägerin von Christopher Nolan, sondern auch Ko-Schöpferin der brillanten Sci-Fi-Serie »Westworld«. Für ihr Spielfilmdebüt mischt die Reigsseurin dieses so genau beherrschte Genre mit Fragmenten des Film noir und des Actionthrillers. Gewissermaßen »Blade Runner« mit mehr Wumms. Ein großes Wagnis, aber jedenfalls ein gewaltiges Leinwandspektakel, bei dem man vielleicht mal einen Blick riskieren sollte.

Trailer zu »Reminiscence«

Zu risikoreich? Kein Problem, ein sicheres Vergnügen wird definitiv der maliziöse Rachethriller »Promising Young Woman« mit Carey Mulligan (»Drive«, »Shame«), Bo Burnham und Alison Brie (»Community«, »Horse Girl«, »Mad Men«). Hierin macht sich eine junge Frau daran übergriffigen Männern eine Lektion zu erteilen, in dem sie den Spieß bei der Verführung umdreht – und die perplexen frisch gewordenen Opfer dann mit ihm durchstößt. Unter Verarbeitung der #MeToo-Debatte zieht der Film seine feministische Vendetta genüsslich wie gnadenlos durch, auch bis es weh tut. Carey Mulligan brilliert in der energetisch fiesen Hauptrolle und räumte gleiche mehrere Preise ab, den Oscar holte aber Emerald Fennells Originaldrehbuch. Ein feiner, finsterer, aber auch teuflisch unterhaltsamer Genrestreifen, den JFK-Nachwuchs Lua bereits bejubelte

Trailer zu »Promising Young Woman«

Nachdem wir bei »Promising Young Woman« dem Bösen ins Gesicht geblickt haben, mag der nächste Titel etwa irritieren: »Doch das Böse gibt es nicht«. 2020 gewann der noch immer im Iran mit politischem Haftbefehl gesuchte Regisseur Mohammad Rasoulof mit diesem geheim gedrehten Episodenfilm die Berlinale. Nach »A Man of Integrity« setzt er seine Auseinandersetzung mit moralischer Korruption und politischer Gewalt fort, diesmal mit Fokus auf einem besonders ernstem Thema: der Todesstrafe. Eindeutig eines der Highlights dieses Monats, eventuell ein Kandidat für die Jahres-Top-10.

Trailer zu »Doch das Böse gibt es nicht«

Genauso Highlight wird wohl »Martin Eden«. Eine italienische Umsetzung des legendären Romanklassikers von Jack London, über die Lebensgeschichte eines Seemanns und angehenden Schriftstellers in Zeiten des auflammenden Sozialismus. Schon seit Venedig gefeiert kommt die epische Verfilmung über den Freiheitskampf endlich nach Deutschland und rangiert ganz vorne unter den Jahresfavoriten. Besonders die herausragende Leistung von Hauptdarsteller Luca Marinelli bejubelte man überall und wurde mit Preisen überhäuft.

Trailer zu »Martin Eden«

In »The Trouble With Being Born« ist es zwar auch Sommer, jedoch kühlt die Hitze ganz schnell ab. Denn in diesem österreichischen Sci-Fi-Drama wird es bei den klaren, glatten Bildern schnell unheimlich. Im Mittelpunkt steht nämlich ein Roboterkind. Indessen ist dies aber kein Rührstück à la »A.I.«, sondern ein düsteres Gedankenspiel über die Fragen, was die Menschen wohl alles mit so einem hörigen Androiden tun können. Eher für die Freunde des Exzentrischeren und Künstlerischen, aber wohl auch einer der spannendsten Titel des Monats.

Trailer zu »The Trouble With Being Born«

Nochmal Science Fiction, ebenfalls deutschsprachig: »Tides«. Nach einer apokalyptischen Sintflut konnte sich nur ein Bruchteil der Menschheit auf einen Kolonieplaneten retten. Nun planen aber nach 200 Jahren die Nachfahren der Überlebenden wieder auf den nun noch blaueren Planeten zurückzukehren, was aberböse Überraschungen bereit hält. Für die gesamte Spezies. Überraschend angetan zeigt man sich auf der Berlinale von der ambitionierten deutschen Genreproduktion. Alleine den Mut für ein derartiges Projekt sollte man belohnen.

Trailer zu »Tides«

Ihr seid zu alt für den Scheiß? Wisst ihr wer auch alt ist? Anthony Hopkins. Für seine bewegende Verkörperung des dementen Anthony in »The Father« erhält der legendäre Hannibal-Lecter-Darsteller seinen zweiten Oscar. Das kleine intime Drama war aber noch für fünf weitere Academy Awards nominiert und erhielt etliche weitere Preise. Hopkins ist jedoch nichteinmal die einzige Koryphäe, sondern hat auch noch Oscarpreisträgerin Olivia Colman (»The Favourite«, »Fleabag«) an seiner Seite. Da dürfte es Tränen, aber auch Genusspunkte regnen.

Trailer zu »The Father«

Für die, die zuhause bleiben wollen, gäbe es auf MUBI noch drei kleine Starts auf MUBI. Und zwar aus sonst eher vernachlässigten Winkeln der Welt. Da wäre »Air Conditioner« aus Angola, »The Cloud in Her Room« aus China und »Lina form Lima« aus Chile, Peru und Argentinien (ja, allein Dreien). Letzterer dürfte mindestens ein JFK-Mitglied namenstechnisch schon verpflichten. Worum geht es bei diesen aparten Perlen? Nun, versucht das am besten aus den Trailern selbst mal herauszubekommen:

Trailer zu »Air Conditioner«
Trailer zu »The Cloud in Her Room«
Trailer zu »Lina from Lima«

Außerdem gibt es noch einen Film auf Apple TV Plus (*verschränkt Arme zum +*) »Coda«. Ein kleines Familiendrama über eine junge Frau, die gerne ihren Gesangstraum ausleben würde, was jedoch starke Spannung zu ihrer taubstummen Familie auslöst. Ein kleiner Hit auf dem diesjährigen Sundance Festival gewesen, schönes kleines einfühlsames Indiekino aus Amerika.

Trailer zu »Coda«

Wieder ein ganzer Batzen, paar fetter Fische, aber so gefragter sind gekonnte Angler. Also schaut, wohin ihr am liebsten Reisen wollt. In die Zukunft, die Vergangenheit oder die harte Realität. In den Iran, nach Italien oder doch Miami. Gönnt euch mal einen schönen Trip, es ist Sommer, genießt einen cinematorischen Urlaub in der VIP-Klasse. Die besten Angebote dafür wie immer auf Baumannconsulting, we are alway by your side.

Kategorien
Awards

Cannes 2021

Wie jedes Jahr ist das Filmfestival von Cannes, der Wettbewerb um die Goldene Palme. Dieses Jahr symbolisiert das Festival besonders das Wiederauferstehen des Kinos nach der Pandemie. Das drückt sich vor allem darin aus, dass ein Highlight sich an das andere reiht. Da eine vollständige Besprechung aller Filme, auch nur der Interessanten den Rahmen sprengen würde, wurde redaktionell beschlossen, sich auf einen Kern von für den JFK relevanten Titeln zu beschränken. Eine Komplettliste mit allen Filmen finden Sie alternativ hier. Ansonsten empfiehlt Baumannconsulting zu näheren Informationen und Besprechungen die Cannes Kolumnen in The Guardian von Peter Bradshaw, in IndieWire von Eric Kohn und David Ehrlich oder in der Süddeutschen von Tobias Kniebe. Wir freuen uns sehr, wenn Sie uns in den Kommentaren mitteilen, auf welche Titel sie sich am meisten freuen!

Fangen wir mit den Gewinnern an. Für eine besonders große Überraschung konnte der diesjährige Gewinner sorgen, den wir hier, genau wie Jurypräsident Spike Lee es versehentlich tat, gleich als Erstes verkünden wollen: „Titane“ ist Preisträger der Goldenen Palme 2021, dem vielleicht prestigeträchtigsten Preis der internationalen Filmszene abseits vom Oscar. Das Prädikat ‚überraschend‘ wird dann klar, wenn man sich den Film etwas genau besieht. Es handelt sich um ein Body-Horrorstreifen, in den eine Frau von einem Auto geschwängert wird, in dem Identitäten und Geschlechter getauscht werden, tropfend von Motoröl, Blut und flammenzüngelndem Spiritus. Ein bisschen experimentelle Genreavnatgarde, ein bisschen LGBTQ+, ein bisschen Cronenberg. Und viele feurige Franzosen, als Special Interest der JFK-Kenner. Es ist zwar erst ihr zweiter Film nach der Kannibalen-Coming-of-Age-Fabel „Raw“, doch Regisseurin Julia Ducournau ist damit erst die zweite Frau, die den Hauptpreis von Cannes gewinnt. Mit an Bord ist noch Schauspielkoryphäe Vincent Lindon („Streik“). Koch Films hat sich „Titane“ schon für den deutschen Vertrieb gesichert.

Trailer zu „Titane“

Silber Medaillen, also den Großen Preis der Jury, gab es gleich doppelt. Zum einen für das iranische Drama „Ein Held“, zum anderen für die finnische Zugromanze „Compartment No. 6“. Mit Ersterem kehrt das internationale Aushängeschild des Neuen Iranischen Kinos Asghar Farhadi („Nader & Simin: Eine Trennung“, „The Salesman“, „Offenes Geheimnis“) in seine Heimat zurück. Erneut handelt es sich um ein dichtes Moraldrama rund um einen Mann, der verzweifelt versucht, dem Schuldgefängnis zu entkommen. Besonders gelobt wurde die Genauigkeit in der Darstellung sozialen Situation, die Farhadi erneut subversiv in seine intensive Geschichte einwebe. In IndieWire sprach man von seinem besten Film seit seinem ersten Oscar-Gewinner „Nader & Simin“.

Standbild aus „Ein Held“

Der Finne Juho Kousmanen erzählt in „Compartment No. 6“ von einer einfach Begegnung im Zug. Eine finnische Studentin und ein russischer Arbeiter auf dem Weg nach Murmansk. Etwas melancholische Liebessehnsucht zwischen Einsamkeit und kargen Weiten. Mituntert verglichen mit Richard Linklaters „Before“-Trilogie. Kousmanen konnte bereits vorher mit seinem intimen Boxerdrama „Der schönste Tag im Leben des Olli Mäki“ begeistern.

Trailer zu „Compartment No. 6“

Begeistern, aber auch irritieren konnte vor allen anderen „Annette“. Regisseur Leos Carax („Die Liebenden von Pont-Neuf“, „Holy Motors“) gilt seit Jahrzehnten als innovative Sperrspitze der französischen Avantgarde und konnte diesen Ruf erneut bestätigen. Zusammen mit der britischen Kult-Art-Rock-Band Sparks entwickelte er ein großes Musical, in dem fast ausschließlich gesungen wird. Adam Driver („Marriage Story“, „Paterson“, „BlacKkKlansman“) spielt darin einen Comedian, dessen brüchige Beziehung zu einer von Marion Cotillard („Inception“, „Macbeth“) dargestellten Sängern durch die Geburt eines wundersamen Kindes möglicherweise gerettet werden könnte. Oder endgültig in den Abgrund stürtzt. In Cannes waren Publikum und Kritik von der fast zweieinhalb Stunden Starken Leinwandoper stark gespalten, die Jury gab Carax dennoch den Preis für die Beste Regie. Einer der heißerwartetsten Filme dieses Wettberwerbs.

Trailer zu „Annette“

Darstellerpreise gab es für Renate Reinsve aus „The Worst Person in the World“ und Caleb Landry Jones aus „Nitram“. Nachdem Joachim Trier sich im Ausland ausprobierte und zuletzt mit „Thelma“ einen Abstecher ins Fantastische machte, kehrt der Norweger nun wieder zu seinen Wurzeln zurück und rundet seine Oslo-Trilogie ab. „The Worst Person in the World“ ist eine kleine Tragikomödie über das Leben in der skandinavischen Großstadt. Publikums- wie Kritikerliebling. „Nitram“ hingegen wurde fast übersehen, wobei das australische Thrillerdrama von Justin Kurzel („Macbeth“, „True History of the Kelly Gang“) rund um den Massenmörder Martin Bryant zum Festivalende durchaus gut besprochen wurde. Besonders die mitreißenden Schauspielleistungen des beunruhigenden Psychogramms hob man überall hervor. Triers Film kommt vielleicht noch dieses Jahr, ebenfalls bei Koch Films, bei Kurzel ist noch nichts bekannt.

Trailer zu „Nitram“

Ebenso ist auch nichts bekannt bei Hamaguchis „Drive My Car“. Obwohl die Film des Japaners kontinuierlich auf jeden Festival gepriesen werden, fanden sie bisher nie den Weg nach Deutschland. Daher war ich schon guter Dinge, als es hieß, die Murakami-Verfilmung (Autor der Vorlage zu „Burning“) sehr absoluter Favorit für die Goldene Palme. Doch dann hat es doch nur zum Drehbuchpreis gereicht. Trotzdem bleibt das drei Stunden starke Mystery-Liebesdrama einer der am heißesten erwarteten Titel des Jahres.

Trailer zu „Drive My Car“

Ein weiterer findet sich unter den Bronzemedaillengewinnern, dem Preis der Jury. Hier gab es auch zwei Gewinner. Das angekündigte Highlight ist „Memoria“. Der Thailänder Apichatpong Weerasethakul ist zurück und hat diesmal Tilda Swinton („The Dead Don’t Die“, „Only Lovers Left Alive“, „David Copperfield“). Den Großmeister hat es das erste raus aus seiner Heimat nach Kolumbien verschlagen. Dort versucht Botanikerin Jessica dem Ursprung mysteriöser Geräusche auf die Spur zu kommen, während sich ihre Schlafprobleme drastisch verschlimmern. Hätte Weerastehakul nicht schon so viele Preise, einschließlich der Goldenen Palme gewonnen, so hätte er sie auch diesmal wohl mühelos mit nach Hause genommen. MUBI schnappte sich die Deutschlandrechte noch vor Wettbewerbsende.

Trailer zu „Memoria“

Der andere Preis der Jury ging an den stark politischen „Aheds Knie“. Nachdem Nadav Lapid zuletzt mit „Synonymes“ den Goldenen Bären gewann, konnte der Israeli erneut mit seiner kreativen Neuerfindung seiner provokanten Filmsprache einige vom Hocker hauen. Teils persönliche Selbstreflexion, teils gnadenlos harte Satire über die ernste Lage seiner Heimat. Noch gibt es keine Informationen über einen Deutschlandstart, aber da massig deutsche Gelder mit drin stecken, dürfte das Anlaufdatum schon bald aus dem Konjuktiv gehoben werden.

Trailer zu „Aheds Knie“

Nichts gewonnen hat überraschenderweise Wes Andersons („Grand Budapest Hotel“, „Isle of Dogs“, „Moonrise Kingdom“) neuer Film „The French Dispatch“. Dabei ist wohl kaum ein Film schon seit Produktionsbeginn so geyhped wie dieser. In seiner üblich skurril-verspielten Weise widmet sich Anderson diesmal dem französischen Journalismus in einem großen Episodenmosaik. Nur scheint er mit dem Wimmelbild seinen Stil noch weiter zu schrauben. Noch bunter, noch voller, noch facettenreicher. Beim Cast weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Timothée Chalamet, Bill Murray, Frances McDormand, Tilda Swinton, Jeffrey Wright, Adrien Brody, Benicio del Toro, Léa Seydoux, Mathieu Almaric, Elisabeth Moss, Saoirse Ronan. Und damit haben wir unseren Finger nur in die Glasur vom Kuchen gestippt. Ab dem 21. Oktober dürfen wir endlich ganze Stücke aus diesem Traum von einem Film herausschneiden.

Trailer zu „The French Dispatch“

Und dann noch einer aus den Nebenreihen. Dort wurde nämlich „After Yang“ von allen Kritikern bejubelt. Regisseur Kogonada etablierte sich bereits mit „Columbus“ als einer der aufregendsten Stimmen des amerikanischen Indie-Kinos. Jetzt ist er mit einem Sci-Fi-Familiendrama über ein zu rettenden Roboter. In der Hauptrolle brilliert (als Mensch) Colin Farrell („The Killing of a Sacred Deer“, „Brügge sehen … und sterben?, „The Gentlemen“).

Colin Farrell in „After Yang“

Soweit erstmal. Wie gesagt, sind da noch einige interessante Titel. Ein paar Highlights sollen noch knapp erwähnt werden:

  • „Bergman Island“ von Mia Hansen-Løve mit Mia Wasikowska („Alice im Wunderland“, „Only Lovers Left Alive“), Vicky Krieps („Der seidene Faden“) und Tim Roth („Pulp Fiction“)
  • „Lamb“ von Valdimar Jóhannsson
  • „Große Freiheit“ von Sebastian Meise mit Franz Rogowski („Undine“, „Ein verborgenes Leben“, „Victoria“)
  • „Red Rocket“ von Sean Baker („The Florida Project“)
  • „Lingui“ von Mahamat-Saleh Haroun
  • „Wo ist Anne Frank?“ von Ari Folman (nach seiner gleichnamigen Graphic Novel)
  • „Belle“ von Mamoru Hosoda („Ame & Yuki: Wolfskinder“)
  • „Stillwater“ von Tom McCarthy („Spotlight“) mit Matt Damon („Good Will Hunting“, „Bourne“-Trilogie, „Ocean’s“-Trilogie) [Start am 9. September]
  • „Les Olympiades“ von Jacques Audiard („The Sisters Brothers“) mit Noémie Merlant („Porträt einer jungen Frau in Flammen“)
  • „Everything Went Fine“ von François Ozon („Gelobt sei Gott“, „Sommer 85“)
  • „Die Geschichte meiner Frau“ von Ildikó Enyedi mit Léa Seydoux („Blau ist eine warme Farbe“, „Spectre“, „The Lobster“) und Louis Garrel („Little Women“)
  • „France“ von Bruno Dumont mit Léa Seydoux

Alle auszuführen ginge hier zu weit. Schlagen Sie gerne selbst bei den eingangs erwähnten Quellen nach, schauen sie Trailer, scrollen sie durch Letterboxd und IMDb. Baumannconsulting hofft, wir konnten Ihnen einen kleinen Einblick in dieses höhepunktreiche Festival gewähren und Sie haben ein paar Titel, auf die sie sich freuen können. Wir lesen uns dann in einigen Wochen wieder, wenn in Venedig der Teppich ausgerollt wird. Auf der Gästeliste dann ganz oben: „Dune“.

Kategorien
Preview

Preview Juli

Endlich. Ja, diesmal wirklich. Kino geht wieder los. In echt. Live, in Farbe und in HD. Zum Anfassen. Und Sehen. Und Hören, Riechen und Schmecken. Wirklich wahr. Selbstverständlich powered by Baumannconsulting. Starten wir direkt rein, denn zur Auferstehung wird nicht gekleckert sondern so richtig rangeklotzt. Da ist für jeden was dabei, jedes Genre, jede Größe. Zumindest fast. Aber eben irgendwie schon. Also: PAR-TIS-SE-MENT!

Schon im Juni startet offiziell »A Quiet Place Part II«, aber wir zählen ihn dennoch einfach mal für diesen Monat. Wer den Vorgänger kennt, was wohl ratsam wäre, weiß, worum es geht: Alieninvasion, aber die mörderischen Besucher sind Blind, können dafür aber verdammt gut hören. Diesmal geht es von der Familienfarm raus in die postapokalyptischen Weiten und der Horror-Suspense bekommt einen Zacken mehr Action und härtere Survivaldynamik. In der Hauptrolle kämpft sich wieder Emily Blunt (»Sicario«, »Der Teufel trägt Prada«) durch, diesmal bekommt sie aber auch noch Cillian Murphy (»28 Days Later«, »Batman Begins«) gegenübergestellt. Einer der großen Genreblockbuster des Jahres, sowohl bei Kritik als auch Publikum jetzt schon ein Liebling.

Trailer zu »A Quiet Place Part II«

Für die Liebhaber des Unhemlichen gibt es gleich noch mehr Horrorstreifen. Von dystopischer Versteckspielaction gehen wir aber nun in düsterere Gefilde: In den Menschen selbst. »Possessor« vom Cronenberg Sprößling Brandon konnte letztes Jahr einen kleinen Hype als Geheimtipp aufbauen. Über Hirnimplantate werden hier Auftragsmorde begangen, ergo wird es schön blutig und abgedreht. Für alle mit härteren Nerven, aber vor allem auch die, die mal einen etwas anderen Schocker erleben wollen. Mit Christopher Abbott (»It comes at night«, »Girls«), Jennifer Jason Leigh (»eXistenZ«, »The Hateful 8«) und Sean Bean (»Herr der Ringe«, »Game of Thrones«).

Trailer zu »Possessor«

Etwas normaler aber ebenfalls spannend wir es in »Der Spion«. Benedict Cumberbatch (»Sherlock«, »Doctor Strange«) wird hier in eine tatsächlich geschehene Spionageintrige während der Kubakrise geworfen. Klassisches Agententhrillerkino aus Großbritannien, dass vermutlich eher für die atemberaubende wahre Geschichte als für spektakuläres, aber durchaus solides Handwerk interessant. Neben Cumberbatch ist außerdem noch Jessie Buckley (»I’m Thinking of Ending Things«) dabei.

Trailer zu »Der Spion«

Wem das aber für politisches Kino zu brav ist, für den dürfte »Judas and the Black Messiah« was sein. Hiermit geht es auf die Straße. Der transportiert uns nämlich ins Jahr 1969 zu den Black Panthern und einen der geschichtsträchtigsten Attentate in der Historie der Bewegung. Ein wütender, energetischer Politthriller, der nicht zuletzt bei den Oscars ordentlich für Furore sorgte. Dort konnte er sogar zwei Preise abräumen. Einen für den besten Song, der nur ein Teil der oft als besten Soundtrack des letzten Jahres besprochenen Filmmusik ist. Einen weiteren für Daniel Kaluuya (»Get Out«), wobei auch sein ebenso gefeierter Ko-Darsteller LaKeith Stanfield (»Get Out«, »Uncut Gems«) eine Nominierung erhielt. Außerdem mit von der Partie: Jesse Plemons (»I’m Thinking of Ending Things«, »The Master«, »Breaking Bad«).

Trailer zu »Judas and the Black Messiah«

Amis, Amis, Amis. Zukunft und Vergangenheit. Für die konkrete Gegenwart müssen wir nach Rumänien zu »Bad Luck Banging or Loony Porn«. Dort geht es nämlich ganz direkt um die Coronapandemie und die Handhabe durch die rumänische Regierung. Regisseur Radu Jude (Goldener Schnecken Gewinner für »Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen«) nimmt sich hier allem an. Spießbürgern, Rechtsnationalen, Militaristen, Korrupten, Klerikalen. Ein Rundumschlag, der seine Ziele mit voller satirischer Härte zerstückelt. Experimentiertfreudig gemischt mit dokumentaristischen, essayistischen und, na ja, pornographischen Einflüssen. Ein durchaus surrealistischer Spaß, aber mit brennender Aktualität. Prämiert mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale.

Trailer zu »Bad Luck Banging or Loony Porn«

Aber es ist Sommer. Und das ganze Pandemiezeug möchte man am liebsten ausblenden. Dafür reisen wir nach Frankreich und etwas in die Vergangenheit nämlich in den »Sommer 85«. François Ozon (»Gelobt sei Gott«) kehrt zu seinen Wurzeln zurück, also intimen Charakterstudien an französischen Stränden. Und vor allem zum LGBTQ-Bezug. Denn im Zentrum der Romanverfilmung stehen hier zwei Jugendliche, ihre Sommerliebe und all die Probleme, die sie bedrohen. Kein »Call Me By Your Name«-Abklatsch, sondern originalfranzösisches Kino. Aber vermutlich genau für die Fans desselben Gefühls.

Trailer zu »Sommer 85«

Etwas fieser? Gut, dann könnte vielleicht die folgende Perle aus der Schweiz. In der kleinen Komödie »Das Mädchen und die Spinne« geht es im Grunde um nicht viel, einfach nur um das Umziehen oder eben das Zurückbleiben in der jeweiligen Wohnung. Und die sich daraus bahnbrechende Chronologie von irrwitziger Destruktion. Schön skurril, bissig eloquent und still poetisch. In der Berlinale Encounters-Reihe ausgezeichnet für die Beste Regie und mit dem FIPRESCI-Preis der internationalen Presse.

Trailer zu »Das Mädchen und die Spinne«

Aber die meisten sind wohl hier nicht für irgendwelchen Arthousekrimskrams von den Kunstfestivals hier, sondern für die Oscarcontender. Beides lässt sich jedoch verbinden, und zwar in »Minari«. Lee Isaac Chungs Familiendrama rund um eine koreanisch stämmige Familie im Amerika der 80er besinnt sich ganz ruhig und behutsam auf die Wurzeln Amerikas zurück. Jacobs Familie, gespielt von Steven Yeun (»Burning«, »The Walking Dead«), versucht hier nämlich mit ehrlicher Landarbeit im neuen Land der Hoffnung dem amerikanischen Traum näher zu kommen. Ergo erwartet uns ein kleiner Film, indem es nicht um große Action geht, sondern um die wunderbaren kleinen Menschlichkeiten im Alltag. Von allen Seiten gerühmt, könnte das hier ziemlich sicher eines der großen Jahreshighlights werden. Youn Yuh-jung wurde nicht umsonst mit im Grunde allen wichtigen Filmpreisen ausgezeichnet, einschließlich BAFTA und Oscar.

Trailer zu »Minari«

Für einige auf der Welt und auch aus unser kleinen Runde dürfte aber »In The Heights« der heißerwartetste Leckerbissen sein. Eine richtige pralle Musicaladaption auf 143 Minuten für die große Leinwand. Ganz viel Tanzen, Singen und Gesellschaftsdynamiken. Ja, es ist nicht nur sinnlose Euphorie, was vermutlich auch die sagenhaften Kritiken erklärt. »Crazy Rich Asians«-Regisseur Jon M. Chu brennt hier ein gewaltiges Feuerwerk ab für DEN Sommerblockbuster des Jahres. Möglicherweise als doch sehenswert, TROTZ Musical.

Trailer zu »In The Heights«

Getanzt wird auch, zumindest zum Schluss, in »Der Rausch«. Thomas Vinterberg ist zurück. Nach »Die Jagd« hat der ehemalige Dogma95 Regisseur auch wieder Mads Mikkelsen (»Hannibal«) im Schlepptau, dessen darstellerische Leistung in diesem neuen Werk bereits vielfach gerühmt und prämiert wurde. Insgeamt darf sich »Der Rausch« bereits einer Vielzahl von Auszeichnungen erfreuen und konnte schließlich auch den Oscar abräumen. Und das, obowohl die dänische Satire mit der Prämisse einer Gruppe daueralkoholisierter Lehrer alles andere als der gewohnte Drink ist. Lustig trunken und doch mit einer bitterbösen Note auf der Zunge, den schmerzahft-tragischen Kater schon erwartend, tanzt sich der Film berauscht auf die Liste der heißerwartetsten Titel des Jahres.

Trailer zu »Der Rausch«

So, das waren jetzt alle schon ziemlich geile Sachen. Aber mein Highlight des Monats ist »The Green Knight«. David Lowery (»Ein Gauner und Gentleman«, »A Ghost Story«) kommt mit einer großen grimmigen Fantasyproduktion mit der cinematorischen Goldschmiede A24 im Rücken (»Waves«, »Uncut Gems«, »Der Leuchtturm«, »Midsommar«). Sagenhafte Bilder, Baumwesen, Zaubertiere, Riesen und Streitäxte. Und das ohne eine Buch- oder Videospielvorlage. Und dann der Cast. Der oscarnominierte Dev Patel (»David Copperfield«, »Slumdog Millionaire«), Oscarpreisträgerin Alicia Vikander (»The Danish Girl«, »Ex Machina«), Goldene-Schnecken-Preisträger Barry Keoghan (»The Killing of a Sacred Deer«, »Chernobyl«) und der immer gern gesehene Joel Edgerton (»Underground Railroad«, »It Comes at Night«). Dass es sowas überhaupt gibt, ist schon ein Wunder. Dass wir ihn diesen Monat auf der großen Leinwand sehen dürfen, ist einfach wunderbar.

Trailer zu »The Green Knight«

Aber wir wollen ja nicht nur den Namenhaften Chancen geben, sonder auch denen, die sich erst erproben müssen. Prano Bailey-Bond heißt die Filmemacherin, die sich gerade dabei ist mit ihrem Horrorgeheimtipp »Censor« einen Namen zu machen. Hierin geht es um eine Filmzensorin, die in einem zu sichtenden Film eine alte Bekannte entdecken zu glaubt, wodurch nach und nach ihre Realität zusammenzubrechen scheint. Fieser Psychoschocker in atmosphärischen Bildern. Für ein bisschen Kühle in den Adern bei der Sommerhitze.

Trailer zu »Censor«

Damit kommen wir vielleicht zu dem Titel des Monats. Goldener Löwe von Venedig. Hauptpreis von Toronto. Vier BAFTAS. Zwei Golden Globes. Drei Oscars. Einschließlich Bester Film, Beste Regie und Beste Hauptdarstellerin. Regisseurin Chloé Zhao (»Songs My Brother Taught Me«, »The Rider«) widmet sich hier in »Nomadland« modernen Nomaden und liefer so in atemberaubenden Bilder einen einfühlsamen Roadtrip durch das moderne Amerika. Von Wohnwagensiedlungen über Nationalparks bis ans Amazon-Fließband. Frances McDormand (»Fargo«, »Three Billboards Outside Ebbing, Missouri«) errung hiermit ihren dritten Oscar als Beste Hauptdarstellerin und konnte hiermit eines ihrer Herzenprojekte umsetzen. Ganz ganz heißer Favorit für den Film des Jahres.

Trailer zu »Nomadland«

Och nee Joris, nicht ins Kino. Da muss ich raus, da sind so viele Leute und ich muss Geld ausgeben. Gibt es da nicht sowas wie in den letzten Monaten fürs Sofa? Natürlich. Und zwar noch einen weiteren Favoriten für die Spitze der Jahresliste: »First Cow«. Kelly Reichardt ist schon seit Jahren als die wohl bedeutendste amerikanische Filmemacherin der Gegenwart etabliert. Dabei sind weder ihr Stil noch ihre Sujets besonders spektakulär. Naturausflüge, Hunde und jetzt eben Kühe. Beziehungsweise nur eine Kuh, die bildet das Zentrum in Reichardts intimer Anti-Western-Fabel im rauen Grün, jenseits von rauchenden Colts und kreisenden Lassos. Mit ihrem lakonischen Minimalismus öffnet die Regisseurin immer wieder Fenster zu Lebenswelten, die man kennt, aber doch übersieht. Sie bringt die nächste Nähe mit ihre humanistischen Poesie wieder zum Leuchten. Ein schlichter Glanz, der aber feiner funkelt als jeder Goldnugget.

Trailer zu »First Cow«

Das war’s auch schon. Eine ganze Menge, ich weiß. Vermutlich muss man sich genau entscheiden, worin man Zeit und Geld investiert. Aber so ist das: Der Ernst des Lebens geht wieder los. Es geht wieder um Leben und Kino.

Hochachtungsvoll

J.C., JFK-President

Kategorien
Movie

»Nomadland«

This event was held on the 18th of July 2021 | »Nomadland« scored 6,272 Genusspunkte | Scala


Damit kommen wir vielleicht zu dem Titel des Monats. Goldener Löwe von Venedig. Hauptpreis von Toronto. Vier BAFTAS. Zwei Golden Globes. Drei Oscars. Einschließlich Bester Film, Beste Regie und Beste Hauptdarstellerin. Regisseurin Chloé Zhao (»Songs My Brother Taught Me«, »The Rider«) widmet sich hier in »Nomadland« modernen Nomaden und liefer so in atemberaubenden Bilder einen einfühlsamen Roadtrip durch das moderne Amerika. Von Wohnwagensiedlungen über Nationalparks bis ans Amazon-Fließband. Frances McDormand (»Fargo«, »Three Billboards Outside Ebbing, Missouri«) errung hiermit ihren dritten Oscar als Beste Hauptdarstellerin und konnte hiermit eines ihrer Herzenprojekte umsetzen. Ganz ganz heißer Favorit für den Film des Jahres.

Joris
Buchen Sie jetzt ihren BauCons-Spa-Tag. Jetzt mit der BauCons-Deluxeburger-Maske aus Gürkchen und guter hausgemachter Mayo. Schmackotastisch.
Trailer zu »Nomadland«

Kategorien
Movie

»The Green Knight«

This event was held on the 1st of August 2021 | »The Green Knight« scored 8,5 Genusspunkte | @ Filmpalast


Mein Highlight des Monats ist wohl »The Green Knight«. David Lowery (»Ein Gauner und Gentleman«, »A Ghost Story«) kommt mit einer großen grimmigen Fantasyproduktion mit der cinematorischen Goldschmiede A24 im Rücken (»Waves«, »Uncut Gems«, »Der Leuchtturm«, »Midsommar«). Sagenhafte Bilder, Baumwesen, Zaubertiere, Riesen und Streitäxte. Und das ohne eine Buch- oder Videospielvorlage. Und dann der Cast. Der oscarnominierte Dev Patel (»David Copperfield«, »Slumdog Millionaire«), Oscarpreisträgerin Alicia Vikander (»The Danish Girl«, »Ex Machina«), Goldene-Schnecken-Preisträger Barry Keoghan (»The Killing of a Sacred Deer«, »Chernobyl«) und der immer gern gesehene Joel Edgerton (»Underground Railroad«, »It Comes at Night«). Dass es sowas überhaupt gibt, ist schon ein Wunder. Dass wir ihn diesen Monat auf der großen Leinwand sehen dürfen, ist einfach wunderbar.

Joris
What does the fox say? – I’m running with woooooooooooooooooooooooooooooolves tonight!
Trailer zu »The Green Knight«