This event was hold on the 11th of November 2021 | »Last Night in Soho« scored 6,42 Genusspunkt | @Filmpalast
Ebenfalls zwei Frauen stehen im Zentrum von Edgar Wrights neuem Giallo »Last Night In Soho«. Dort ist die junge Eloise gerade nach London gezogen, um in die Welt ihrer Träume, die des Modedesigns einzutauchen. Leider verliert sie sich aber auch in ihrer anderen Traumwelt, wo sie als schöne Sandy durch die Nacht zieht. Denn der Traum wird alsbald zum Alb. Thomasin McKenzie ( »Jojo Rabbit«) und Anya Taylor-Joy (»The Queen’s Gambit«, »The VVitch«, »Emma«) tanzen so als Spiegelbilder durch die Nacht und das ganze Schwarz des Regenbogens. Ein sytlischer Psycho-Horror-Thriller im Swinging London der 60er durch das blutige Kaleidoskops eines verspielten Kinonerds. Dieser Nerd Edgar Wright probiert sich nach seinen Comedyerfahrungen in »Shaun of the Dead«, »Hot Fuzz«, »Scott Pilgrim vs. the World« zum ersten Mal an diesem düsteren Genreexzess, aber schon in »Baby Driver« zeigte er, dass er mit seinem Händchen für Style auch einen Gang höher schalten kann.
Joris
Wie rot du wirst, wenn LB dich fragt, ob du mit ins Fotolabor kommen willst
This event was held on the 16th of November 2021 | »Passing – Seitenwechsel« scored 7,25 Genusspunkte| @JFK-Plaza
Deutlich reduzierter, aber gar nicht so viel weniger exquisit dürfte wohl »Passing – Seitenwechsel« werden. Rebecca Hall konnte mit ihren Regiedebüt Anfang des Jahres beim Sundance Festival ordentlich für Aufsehen bei den Kritikern sorgen. Nach dem 1929er Buchklassiker von Nella Larsen erzählt das Drama die Geschichte zweier Freundinnen. Obwohl man sich nach der High School lange aus den Augen verlor, wird ihre Freundschaft nun bei einem unerwarteten Wiedertreffen auf die Probe gestellt. Denn anders als Irene ist Clare jetzt weiß. Die Schwarz-Weiß-Bilder sehen atemberaubend aus, der Cast ist mit Ruth Negga (»Ad Astra«), Tessa Thompson (»Thor: Ragnarok«), André Holland (»Moonlight«) und Alexander Skarsgård (»Melancholia«, »Hold the Dark«) hervorragend besetzt. Sehr feinfühliges, ruhiges, aber dadurch genaues Kino über Rassenidentität, über Weiblichkeit und über Amerika.
Joris
Zwei Frauen gucken nach links, also nach Super-Mario-Bros.-Logik zurück, also in die Vergangenheit, daher auch Schwarz-Weiß.
This event was hold on the 10th of November 2021 | »Ein Polizei-Film« scored 6,9 Genusspunkte | @JFK-Plaza
»Ein Polizei-Film« ist der zweite Film im Netflix-November und ist ziemlich schräg. Denn er ist sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilm. Denn zwei Schauspieler schlüpfen in die Rollen von mexikanischen Grenzpolizisten, wobei der Film dann ihrem Berufsalltag folgt. Das Konzept scheint mir sehr spannend, zumal im doch strukturell ziemlich zerrütteten Mexiko. Die Berlinale scheint dies auch spannend gefunden zu haben, weswegen er dort auch für besondere künstlerische Leistung ausgezeichnet wurde.
Joris
Hupsi, war das wohl ein Doppel-LO zu viel gestern Abend? 😉
This event was held on the 7th of November 2021 | »Ammonite« scored 7,5 Genusspunkte| @Scala
Fangen wir mit einer leisen Note an. »Ammonite« ist eine kleine Romanze zwischen zwei Frauen an der englischen Küste Mitte des 19. Jahrhunderts. Die junge Charlotte ist einer tiefen Melancholie verhangen, weswegen ihr Ehemann sie zur Erfrischung bei der Paläontologin Mary Anning in Obhut gibt. Anfangs ist es zwischen den beiden noch kühl, doch bald finden sie abseits des rauen Lebens nahe der rauschenden Wellen zueinander, entdecken unerwartete Wärme. Unter der Regie von Francis Lee (»God’s Own Country«) brillieren Kate Winselt (»Eternal Sunshine of a Spotless Mind«, »Der Vorleser«, »Gott des Gemetzels«) und Saoirse Ronan (»Lady Bird«, »Little Women«). Immer wieder wird der Film als britische Antwort auf »Porträt einer Frau in Flammen« beschrieben. Nur eben mit Wasser statt Feuer. Ergo wohl keine brennenden Franzosen… 🙁 Statt hot wirde also eher feucht 🙂
Der November naht, der Monat der Monate. Während die Gläubigen nun zu ihrem Heiland pilgern, erstarrt das Kino aber nicht in Ehrfurcht. Im Gegenteil: dem Messias zu Ehren laufen die Säle fast über an Starts. Die Relevanz der Titel divergiert jedoch stark. Umso wichtiger, einen Überblick zu schaffen. Als Kurator des JFKs bin ich Ihnen natürlich zu Diensten und führe sie mit der Laterne dieser Review durch das verschneite Labyrinth der Novermberstarts.
Fangen wir mit einer leisen Note an. »Ammonite« ist eine kleine Romanze zwischen zwei Frauen an der englischen Küste Mitte des 19. Jahrhunderts. Die junge Charlotte ist einer tiefen Melancholie verhangen, weswegen ihr Ehemann sie zur Erfrischung bei der Paläontologin Mary Anning in Obhut gibt. Anfangs ist es zwischen den beiden noch kühl, doch bald finden sie abseits des rauen Lebens nahe der rauschenden Wellen zueinander, entdecken unerwartete Wärme. Unter der Regie von Francis Lee (»God’s Own Country«) brillieren Kate Winselt (»Eternal Sunshine of a Spotless Mind«, »Der Vorleser«, »Gott des Gemetzels«) und Saoirse Ronan (»Lady Bird«, »Little Women«). Immer wieder wird der Film als britische Antwort auf »Porträt einer Frau in Flammen« beschrieben. Nur eben mit Wasser statt Feuer. Ergo wohl keine brennenden Franzosen… 🙁 Statt hot wirde also eher feucht 🙂
Trailer zu »Ammonite«
Ebenfalls zwei Frauen stehen im Zentrum von Edgar Wrights neuem Giallo »Last Night In Soho«. Dort ist die junge Eloise gerade nach London gezogen, um in die Welt ihrer Träume, die des Modedesigns einzutauchen. Leider verliert sie sich aber auch in ihrer anderen Traumwelt, wo sie als schöne Sandy durch die Nacht zieht. Denn der Traum wird alsbald zum Alb. Thomasin McKenzie ( »Jojo Rabbit«) und Anya Taylor-Joy (»The Queen’s Gambit«, »The VVitch«, »Emma«) tanzen so als Spiegelbilder durch die Nacht und das ganze Schwarz des Regenbogens. Ein sytlischer Psycho-Horror-Thriller im Swinging London der 60er durch das blutige Kaleidoskops eines verspielten Kinonerds. Dieser Nerd Edgar Wright probiert sich nach seinen Comedyerfahrungen in »Shaun of the Dead«, »Hot Fuzz«, »Scott Pilgrim vs. the World« zum ersten Mal an diesem düsteren Genreexzess, aber schon in »Baby Driver« zeigte er, dass er mit seinem Händchen für Style auch einen Gang höher schalten kann.
Trailer zu »Last Night In Soho«
In eine Albtraumwelt hatte sich auch die »Ghostbusters«-Reihe manövriert. Ob sie es mit »Ghostbusters: Legacy« nun schafft, sich nun da heraus zu manövrieren schafft, ist ungewiss. Aber der Trailer sie gerade dadurch verdammt vielversprechend aus, weil er so geerdet ist. Denn die Geisterjäger sind schon lange verblichen und der Ruf ganz schön abgerockt. Ein paar Kinder stoßen nun aber durch ihren Lehrer (Paul Rudd) auf das Vermächtnis der alten Männer, was gut passt, da ihrer verschlafene Heimatstadt gerade auch von einer paranormalen Bedrohung ummantelt wird. Warum das nun vielversprechend könnte, liegt vor allem an Regisseur Jason Reitman, der sich mit »Juno« oder auch »Up in the Air« als patenter Vermittler zwischen Hollywood und Indiekino etablieren und nicht zuletzt vier Oscarnominierungen einheimsen konnte. Von daher: Vielleicht mal wieder ein kleiner feiner Blockbuster, wobei man dennoch beim Anblick des Reihen-Schicksals vorsichtig bleiben sollte.
Trailer zu »Ghost Busters: Legacy«
Kommen wir zum Highlight des Monats. Mit »The Power of the Dog« kehrt Jane Campion (»Das Piano«, »Bright Star«) endlich wieder auf die Leinwand zurück und das mit einem richtigen Brett. Ihre Buchverfilmung spielt in den weiten Montanas von 1925 auf einer Ranch zweier Brüder. Der eine, George, ist eher verschwenderisch und möchte aus dem Farmleben ausbrechen. Der andere Bruder, Phil, führt den Hof jedoch mit engen Zügeln und versucht alles unter seine bitterharte Kontrolle zu bringen. Die Lage verspricht sich jedoch aufzurütteln, als George eine Witwe mit Sohn heiratet und sie auf die Ranch bringt. Aber eher verhärten sich die Fronten noch. Das Historiendrama mit Spätwesternallüren wurde in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet und genießt überall absolute Spitzenkritiken. Das Starensemble mit Benedict Cumberbatch (»Sherlock«, »Der Spion«), Jesse Plemons (»I’m Thinking of Ending Things«, »Judas and the Black Messiah«) und Kirsten Dunst (»Spider Man«, »Melancholia«) in den Hauptrollen spricht für sich. Da Netflix aber den Film verleiht, wird man jedoch wohl genauer nach verfügbaren Kinos gucken müssen.
Trailer zu »The Power of the Dog«
Kleiner Tipp außerdem: »First Cow« bekommt nochmal eine kleine Kinoauswertung, sogar im Scala. Wer ihn also nochmal auf der großen Leinwand sehen will oder ihn gar überhaupt noch nicht gesehen hat: Jetzt wäre die Gelegenheit. Ich gehe auf jeden Fall rein.
Kinotipp No. 2: Am 2. November läuft einmalig im Filmpalast und in einigen anderen Kinos Satoshi Kons »Millenium Actress« in einer neuen 4K-Restauration. Ein moderner Klassiker des Animes, in der der Schöpfer von »Paprika« und »Perfect Blue« mit unfassbarer technischer Brillanz eine fanatsievolle Hommage an eine der größten japanischen Schauspielikonen, Setsuko Hara, schafft. Vorverkauf läuft schon.
Trailer zu »Millenium Actress«
Zum Streamen gibt es zwei Mal was auf Netflix, wobei der erste im Oktober schon im Kino lief. »Passing – Seitenwechsel« kommt im November dann auch auf den Streamingdienst und kann bei Bedarf dann nachgeholt werden, sollte man keine Chance zum Kinobesuch haben. Jedoch lohnen die Bilder wirklich auf der Leinwand. Bereits in der letzten Monatspreview besprochen.
Trailer zu »Passing«
»Ein Polizei-Film« ist der zweite Film im Netflix-November und ist ziemlich schräg. Denn er ist sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilm. Denn zwei Schauspieler schlüpfen in die Rollen von mexikanischen Grenzpolizisten, wobei der Film dann ihrem Berufsalltag folgt. Das Konzept scheint mir sehr spannend, zumal im doch strukturell ziemlich zerrütteten Mexiko. Die Berlinale scheint dies auch spannend gefunden zu haben, weswegen er dort auch für besondere künstlerische Leistung ausgezeichnet wurde.
Trailer zu »Ein Polizei-Film«
Als letztes möchte ich noch zu einer Sondervorstellung im Scala einladen: Am 23. November führt das JFK-Lieblingskino nochmal »Ich war neunzehn« auf. Einige von uns hatten einst »Solo Sunny« von dem Regisseur im Scala gesehen, nun zeigen sie Konrad Wolfs Meisterwerk endlich in einer weiteren Reihe. Der Film handelt von einem emigrieten Deutschen, der mit der Roten Armee zum Kriegsende in seine Heimat zurück, nur eben auf der Seite des Feindes, um die letzten Nazis endgültig zu vertreiben. Der autobiographische Antikriegsfilm ist nicht brutal oder blutig, sondern setzt auf viel Realismus und Authentizität. Nichtsdestotrotz ist der Film wahnsinnig involvierend, bisweilen erdrückend spannend inszeniert und kongenial fotografiert. Einer meiner Lieblingsfilm kurz bevor ich wirklich 19 war.
Damit schnüren wir das Novemberpaket zusammen und legen es unter den kirstlichen Weihnachtsbaum. LGBTQ, #MeToo, Blut und Deutschland. Was braucht’s mehr? Wir werden diesmal, wie ihr wohl gesehen habt, ohne die Beitrittslinks arbeiten, da zu viele mit denen nicht klarkamen. Aber kein Problem, schreibt dann einfach mir direkt oder noch besser in die JFK-Gruppe, damit ihr direkt in das Event eingebucht werdet. JFK-Gruppe daher besser, weil ich nicht direkt bei allen Veranstaltungen in Präsenz dabei sein kann und sich so auch Gruppen unabhängig von mir bilden können. Nun denn meine jünger, auch wenn ich gen Himmel fahre (Berg ist hoch), verbreitet die frohe Kunde des Evangeliums zur Not auch ohne mich, liebet und mehret euch. Aber ganz gleich was auch sein mag: Baumannconsulting is always by your side.
This event was held on the 22nd of October 2021 | »The French Dispatch« scored 7,25 Genusspunkte | @Scala
Klotzen wir mal mit dem höchstwahrscheinlichen Film des Jahres ran: endlich, endlich, endlich kommt »The French Dispatch«. Halleluja. Der neue Film von Wes Anderson (»Grand Budapest Hotel«, »Moonrise Kingdom«, »Isle of Dogs«) ist endlich zurück mit seinem neuesten Wunderwerk. Diesmal entführt uns der Meister der filmischen Wimmelbilder in die europäische Journalismuswelt. Für eine Jubiläumsausgabe sollen dort nun die drei besten Geschichten der letzten Dekade veröffentlicht werden, was der Film in drei stilistisch völlig unterschiedlichen Episoden arrangiert. Es kann alles passieren. Zumal mit dem Cast, der selbst ein »Dune« wie ein Low-Budget-Starvehikel aussehen lässt. Bill Murray, Benicio del Toro, Frances McDormand, Jeffrey Wright, Adrien Brody, Tilda Swinton, Timothée Chalamet, Léa Seydoux und Saoirse (*sehnsuchtsvoller Seufzer*) Ronan. Und das sind nicht mal alle A-Lister. Wenn Wes ruft, kommen alle und das für die gewerkschaftliche Midestgage. Wer Mr. Anderson mit seinem exzentrischen Humor und seinen detailverliebten Sets kennt, weiß warum. Wer nicht, dessen heilige Pflicht ist es, jetzt endlich zu entdecken. Wer nicht mitkommt, Hurensohn.
Obwohl wir dieses Jahr eh nur ein halbes Kinojahr hatten, beginnt jetzt schon langsam der Endspurt. Theoretisch ist es das letzt Quartal, praktisch ist es die zweite Hälfte. Jetzt heißt es eigentlich: Einheizen! Wobei, der Kamin wird erst später richtig zum Lodern kommen. Dennoch schüren wir jetzt schon mal die Glut und wie das so ist, sprühen auch da mal ganz hübsch die Funken. Noch besser: Es gibt zwei richtige Stichflammen, die sich mal eben den Weg zur Jahresspitze freibrutzeln könnten. Also, dreht den Herd auf, heizt den Ofen an, kippt Spiritus rein, der JFK kehrt vielleicht zu seiner Spezialdisziplin zurück: Français flambé!
Die Zeichen für den brennenden Franzmann stehen nämlich optimal beim diesjährigen Cannes-Gewinner »Titane«. Nach ihrem Kannibalen-Körperhorror-Hit »Raw« ist Julia Ducournau zurück und schaltet einen Gang höher. Buchstäblich: es geht um Autos. Und Sex mit Autos. Um Motorenöl-Maschinenteil-Mutanten, mysteriöse Morde und wilde Genderidentitätsturbulenzen. Und das Beste: Feuerwehrmänner (können wir Erik reaktivieren???). Und das Allerbeste: Vincent Lindon (bekannt als Bezinduscher aus »Streik«) ist einer der Löschprofis. Also: es wird schön rauchig, fleischig, hitzig, saftig. Ein guter Grillnachmittag mit Freunden. Bei so einem hyperstylishen Genrekaleidoskop auf Film-des-Jahres-Kurs grillt Baumannconsulting trotz Teslaflotte wieder mit Rohöl.
Etwas reineres Genrekino gibt uns der Nachbar mit den Langbroten und Traubensäften aber im Oktober auch noch. »Die Verschwundene« könnte jetzt erstmal ein beliebiger Rowohlt-Ramsch-Thriller sein, aber der Originaltitel »Seules les Bêtes«, also »Nur die Bestien« hat dann schon mehr Biss. Mitten im Schnee verschwindet hier eine Frau, so spurlos, dass die Polzei bald aufgibt. Fünf Hinterbliebene sind dazu jedoch nicht bereit, gerade weil sie wittern, dass einer von ihnen Schuld hat. Dominik Moll, der nicht zuletzt mit »Lemming« einen der originellsten Psychothriller 2000er ablieferte, konstruiert den Film hier als non-lineares Rätsel, das seine raffinierte Spannung gerade aus seiner subtilen Unabwägbarkeit gewinnt. Kleines, kluges, kaltblütiges Genrekino, so fein, wie es eben nur die Franzosen können.
Ebenfalls frostig wird es in »The Last Duel« . Zwischen verschneiten Burgen kommt es zum Duell. Der Grund: die Frau eines Ritters beschuldigt einen anderen, sie vergewaltigt zu haben. Die Männer wollen dies nun im Kampf um Leben und Tod klären, doch dabei geht es vielmehr um die Frage der Ehre als um die eigentliche Frau. Zumal sie, sollte ihr Mann verlieren, als Lügnerin entlarvt hingerichtet wird. Ridley Scott (»Blade Runner«, »Alien«, »Gladiator«) hat das Mittelalterepos irgendwie parallel zu seinem »House of Gucci« hingezimmert und wartet mit beeindruckenden Namen auf. Die alten Kumpels Matt Damon (»Good Will Hunting«, »Stillwater«, »Bourne«-Trilogie) und Ben Affleck (»Argo«, »Gone Girl« ) haben sich nicht nur aufs Schauspielerparkett begeben, sondern auch wie damals bei ihrem Oscargewinn »Good Will Hunting« das Drehbruch verfasst. Aber um alle vernünftigen Menschen zu überzeugen: Adam Driver, Preisträger der Goldenen und Platinen Schnecke, ist dabei. Nuff said. Wobei man vielleicht auch noch ein paar damit abgreifen kann, dass die Musik vom »Shrek«-Komponisten ist. Die Kritiken bejubeln es nun nicht als Meisterwerk, sind aber auch weit weg vom Volldesaster. Außerdem muss man wohl das sehen, was der Guardian als die häßlichsten Frisuren des Kinojahres bezeichnet.
Auch mitnehmen aus alter treue muss ich wohl »Cry Macho«. Es ist der x-te Abschiedsfilm vom Kinodinosaurier Clint Eastwood (»The Mule«, »Der Fall Richard Jewell«), der mit seinen mittlerweile 91 Jahren nicht nur im Regiestuhl sitzt, sondern auch wieder die Hauptrolle übernimmt. Der vierfache Oscargewinner verkörpert wieder eine seiner klassischen Figuren, diesmal einen alternden Rodeostar, der einen jungen Mann aus Mexiko nach Hause holen soll. Also bisschen »The Mule« meets »Gran Torino«, also typisch Eastwood. Sicher keine cinematorische Offenbarung, aber sicher herzlich, klassisch und oldschool. Also quasi auch voll cool.
So, Schluss mit dem Rumgeklecker. Klotzen wir mal mit dem höchstwahrscheinlichen Film des Jahres ran: endlich, endlich, endlich kommt »The French Dispatch«. Halleluja. Der neue Film von Wes Anderson (»Grand Budapest Hotel«, »Moonrise Kingdom«, »Isle of Dogs«) ist endlich zurück mit seinem neuesten Wunderwerk. Diesmal entführt uns der Meister der filmischen Wimmelbilder in die europäische Journalismuswelt. Für eine Jubiläumsausgabe sollen dort nun die drei besten Geschichten der letzten Dekade veröffentlicht werden, was der Film in drei stilistisch völlig unterschiedlichen Episoden arrangiert. Es kann alles passieren. Zumal mit dem Cast, der selbst ein »Dune« wie ein Low-Budget-Starvehikel aussehen lässt. Bill Murray, Benicio del Toro, Frances McDormand, Jeffrey Wright, Adrien Brody, Tilda Swinton, Timothée Chalamet, Léa Seydoux und Saoirse (*sehnsuchtsvoller Seufzer*) Ronan. Und das sind nicht mal alle A-Lister. Wenn Wes ruft, kommen alle und das für die gewerkschaftliche Midestgage. Wer Mr. Anderson mit seinem exzentrischen Humor und seinen detailverliebten Sets kennt, weiß warum. Wer nicht, dessen heilige Pflicht ist es, jetzt endlich zu entdecken. Wer nicht mitkommt, Hurensohn.
Deutlich reduzierter, aber gar nicht so viel weniger exquisit dürfte wohl »Passing – Seitenwechsel« werden. Rebecca Hall konnte mit ihren Regiedebüt Anfang des Jahres beim Sundance Festival ordentlich für Aufsehen bei den Kritikern sorgen.
Nach dem 1929er Buchklassiker von Nella Larsen erzählt das Drama die Geschichte zweier Freundinnen. Obwohl man sich nach der High School lange aus den Augen verlor, wird ihre Freundschaft nun bei einem unerwarteten Wiedertreffen auf die Probe gestellt. Denn anders als Irene ist Clare jetzt weiß. Die Schwarz-Weiß-Bilder sehen atemberaubend aus, der Cast ist mit Ruth Negga (»Ad Astra«), Tessa Thompson (»Thor: Ragnarok«), André Holland (»Moonlight«) und Alexander Skarsgård (»Melancholia«, »Hold the Dark«) hervorragend besetzt. Sehr feinfühliges, ruhiges, aber dadurch genaues Kino über Rassenidentität, über Weiblichkeit und über Amerika.
Ja, »Passing – Seitenwechsel« wird von Netflix verliehen, kommt dennoch eben ins Kino. Ausschließlich zum Streamen bekommen wir aber auch einen Film. Und zwar nach der Schwarz-Weiß-Perle was richtig Buntes. Der Animationsfilm »Cryptozoo« erschafft einen fantastsichen Zauberzoo mit Sagengestalten von Medusa bis Pegasus. Jetzt soll ergänzend dazu noch der sogenannte Baku eingefangen werden, ein monströser Traufresser. Das könnte richtig wild werden, aber genau dafür ist das Animationskino eben auch da.
Dann hat unser Kiezkorrespondet Lua noch auf das Fantasyfilmfest aufmerksam gemacht, was zwar erst Anfang November in den Norden rollt, aber der Ticketverkauf beginnt schon Mitte Oktober, weswegen an dieser Stelle schon informiert werden soll. Schaut euch gerne selbst mal das Line-Up an, aber zwei Filme würde ich tatsächlich in Betracht ziehen: »Pig« und »Ted K«. Im einen ist ein fett-vollbärtiger Nicolas Cage auf einen Rachepfad im Wald auf der Suche nach seinem entführten Trüffelschwein, im anderen wird ein Psychogramm des berüchtigten Unabombers, einem echten Hardcore-Ökoterroristen entworfen. Mal schauen, wann und wie die auf dem Festival laufen, aber außerhalb des Festivals wirds die sicher nicht auf deutschen Leinwänden zu sehen geben.
Trailer zu »Pig« (zu »Ted K« gibt es leider keinen)
NACHTRAG: Das Scala zeigt in zwei Spätvorstellungen den wilden No-Budget-Ritt »Coup«. Beschrieben als Mischung aus Martin Scorsese und Guy Ritchie im Norden von Hamburg, erzählt der Film von einem ausgeklügelten Bankraub und der fatalen Flucht in ein australisches Luxushotel. Fragmente aus dem Genregulasch, Pseudo-Dokueinschnitte, Animationsschnipsel. Perfekter Absacker aus der Rubrik Mitternachtskino mit Moin und Fischbrötchen.
Also, das ist unser buntes Bruzelbuffet für Oktober. Von Macho-Männlichkeit bis zum Filligran-Femininen und alles dazwischen. Auch Autos. Und brennende Franzosen. Hoffentlich. Betet. An mich und für mich. Und LB. Bitte.
This event was held on the 12th of September 2021 | »Doch das Böse gibt es nicht« scored 7 Genusspunkte | @ Scala
Nachdem wir bei »Promising Young Woman« dem Bösen ins Gesicht geblickt haben, mag der nächste Titel etwa irritieren: »Doch das Böse gibt es nicht«. 2020 gewann der noch immer im Iran mit politischem Haftbefehl gesuchte Regisseur Mohammad Rasoulof mit diesem geheim gedrehten Episodenfilm die Berlinale. Nach »A Man of Integrity« setzt er seine Auseinandersetzung mit moralischer Korruption und politischer Gewalt fort, diesmal mit Fokus auf einem besonders ernstem Thema: der Todesstrafe. Eindeutig eines der Highlights dieses Monats, eventuell ein Kandidat für die Jahres-Top-10.
This event was held on the 10th of September | »Air Conditioner« scored 7,25 Genusspunkte | @ JFK-Plaza 1
Wie sehr der Öffentlichkeit nach den Terroranschlägen des 11. Eine magisch-realistische Fabel aus den lautstarken Straßen Luandas: Air Conditioner ist ein schillernder Rausch der Farben und des Stils. Diese quixotische Odyssee spinnt eine poetische Meditation über das Erbe von Angolas kolonialer Vergangenheit in das Gewebe eines elektrisierenden Traums ein.
This event was hold on the 30th of August 2021 | »Lina from Lima« scored 6,33 Genusspunkte | @ JFK-Plaza 1
Writer-director María Paz González’s first feature takes a well-worn miserabilist trope out of the arthouse drawer – a domestic worker struggles with homesickness and faces economic inequality – and upcycles it with warmth and wit to make something quite original. It’s even funny and upbeat in its final lap.
Leslie Felperin in The Guardian
Der Doppel LO in der Flasch sieht aber verdammt dünn gemixt aus.
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