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Preview Mai

Ich weiß nicht wie es bei euch in euren verstreuten Teilen der Welt aussieht, aber hier in Marburg ist es Grau. Hier und da etwas triefendes Grün, dort bleiernes Blau. Der sogenannte Frühling ist aktuell noch ziemlich winterlich, der Sommer unendlich fern. Immerhin hat sich das Kino dem Wetter angepasst und ist der Überzeugung, dass es noch wie in den besten dunklen Monaten ausschütten darf, kein Sommerloch in Sicht. Ein paar nette Kleinigkeiten, aber auch Highlights. Unter anderem mit der Rückkehr eines JFK-Klassiker-Autors.

Doch bevor wir zu dem kommen erstmal ein Angstgegner des JFKs: das deutsche Kino. Es starten zu Monatsbeginn gleich zwei schöne Kandidaten, aber nachdem selbst ich Angela Schanelecs »Music« nach der Berlinale-Weltpremiere als den zuschauerunfreundlichsten Film seit Jahren bezeichnet habe, lohnt es glaube ich nicht den hier einzubringen. Ich glaube meinen cinematorischen Masochismus teilt hier ja niemand. Dafür habe ich einen anderen Film im Köcher, aber da ich zuletzt scheinbar kein Talent gehabt habe, deutsches Kino verführerisch zu beschreiben, übergebe ich für »Das Lehrerzimmer« (ich weiß, unattraktiver Titel) das Mikro an den allseits beliebten Langhaar-Hanseaten Lua:

Ein deutscher Film? Mit Schulkindern? Allein, dass das schon keine Katastrophe ist, ist ein Wunder. Vielleicht ist Das Lehrerzimmer sogar ein Wunder. Ich hab selten so eine gute Darstellung von Schule, Schülern und Lehrern in einem Film gesehen. Also jetzt schon eine absolute Empfehlung und ich hab noch gar nichts zu der ziemlich spannend erzählten Handlungsentwicklung gesagt. Lohnt sich auf jeden Fall!

Lua

Danke Lua, wir schalten zurück ins Studio. Und da ihr jetzt so brav den deutschen Film durchgestanden habt, kommen wir zum vermutlich begehrtesten Film des Monats: »Beau Is Afraid«. Für die, beiden denen gerade gar nichts klingelt: Das ist der neue Film von Ari Aster, dem Schöpfer vom JFK-Megakultklassiker »Midsommar«. A24 hat ihm diesmal anscheinend Carte Blanche gegeben und als Bonus Joaquin Phoenix oben drauf. Den schickt der bisherige Horrorinnovator als paranoiden Pyjamaträger auf eine Odyssee durch die Jahrzehnte und quietschbunte Pappkulissen. Ganz bescheiden beschreibt Aster den Film als „das jüdische »Herr der Ringe«“ und hat ihn auch von vier Stunden auf knackige 179 Minuten runtergetrimmt. Das Projekt ist offensichtlich megalomanischer Irrsinn, aber er hat jezt schon große Fans. Und es soll Asters bisher witzigster Film sein. Als Fraktion, die sich im Saal bei den Midsomma-Sexritualen kaputtgelacht haben, sind wir verpflichtet, den zu gucken.

Reicht jetzt auch mal wieder mit coolem Hollywoodkram. Zurück zu was mit Deutschen. Zumindest vom Klang her. Mit Sisi konnte man hier ja zuletzt keinen Blumentopf mehr gewinnen, aber dafür gibt es jetzt »Sisu«. Lua und LO haben ihn schon geguckt und waren angetan. Kurz: ein übermächtiger Finne ballert zusammen mit seinen Hund Nazis weg. Nuff said.

Hund habt ihr ja alle lieb, sonst könnte man ja nicht die tiefenpsychologischen Hintergründe in »John Wick« nachvollziehen. Bestimmt gibt es auch Fans vom Heulfest »Hachiko«, wo der Hund auch nach dessen Tod auf sein Herrchen wartet. Aber kennt ihr auch das japanische Original? Jetzt haben wir wieder eine Remake-Situation. Akira Kurosawas legendärer Klassiker »Ikiru« wurde jetzt britisch neugemacht und gar nicht mal mit schlechten Leuten! »Living« heißt die Neuerzählung der Geschichte eines alten Bürokraten, der im Nachkriegslondon mit einer tödlichen Krankheit diagnostiziert wird und nun einmal richtig leben will. Klassische Prämisse, aber wohl sehr feinsinnig umgesetzt. Kurosawa machte daraus schon einen der besten Filme aller Zeiten, nun adaptiert den Stoff Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro (einige kennen wahrscheinlich die Verfilmung seines Romans »Never Let Me Go – Alles was wir geben mussten« mit Keira Knightley) und erhielt auch prompt eine Oscarnominierung. Ebenso erhielt der große Bill Nighy endlich eine Nominierung, nachdem er euch bereits aus diversen Titeln wie »Shaun of the Dead«, »Emma.« und »Fluch der Karibik« bekannt und unverzichtbar geworden ist (ihr erkennt ihn, wenn ihr ihn sieht, begnadeter Nebendarsteller). Ich war bei Ankündigung des Projekts sehr skeptisch, aber die Kritiken waren alle sehr lobend und die Bilder sehen bezaubernd aus. Mal was zum Fühlen nach Kloppe, Wahnsinn und Deutschland.

Ebenfalls viele Emotionen wird es beim großen Sundance-Gewinner »A Thousand and One« geben. Mitte der 90er in New York entführt Inez den kleinen Terry aus dem Pflegeheim, der dort sowohl von seinen eigentlich Eltern als auch seiner Pflegefamilie alleingelassen wird. Doch in Harlem, der Welt von Inez, erwartet Terry keine sonderlich sonnige Welt. Charaktergetriebenes Melodrama mit starken Schauspielleistungen und genauem Blick für die sozialen Hintergründe. Allseitig gefeiertes Spielfilmdebüt aus der Indie-Ecke. Im Scala sogar in OmU!

Untertitel gibt es auch bei »Sparta«, denn selbst die Teile, die in deutschsprachigen Gefilden spielen, sind nicht richtig deutsch. Der Österreicher Ulrich Seidl präsentiert seinen Bruderfilm zum vielfach mit der Goldenen Schnecke ausgezeichneten »Rimini«, diesmal um Ewald, der nach Rumänien geht. Er hat dort einen Job und auch eine Frau, die ihn liebt, doch lässt ihn etwas Dunkles in ihm keine Ruhe. Er verdrängter Trieb treibt ihn in die Provinz, wo er eine Judodojo für Kinder gründet. Seidl schafft hiermit einer seiner wohl empathischten Charakterstudien, getrieben vom brillanten Georg Friedrich, der Mann, der ganz Österreich in seinem Mund hat. Ein stilistisch strenger Film, aber einer der menschlichsten, die ich letztes Jahr gesehen habe. Ausgezeichnet mit der Goldenen Schnecke für den Besten Nebendarsteller (Hans-Michael Rehbergs letzte Rolle), plus zwei weitere Nominierungen. Traut euch! Review hier.

»Sparta« hab ich letztes Jahr in Hamburg sehen dürfen, als Seidl mit dem großen Preis des Festivals ausgezeichnet wurde. »All the Beauty and the Bloodshed« hab ich damals sogar spät am Abend in der Pressevorstellung am Lido gesehen, bevor er dann den Goldenen Löwen von Venedig gewann. Der Dokumentarfilm zeichnet den Kampf der Fotografin Nan Goldin gegen die Pharma-Großmacht Sackler nach. Auf der einen Seite porträtiert er so die Opioidkrise Amerikas rund um Oxycodon (ein paar haben vielleicht in dem Zusammenhang auch von der Serie »Dopesick« gehört), auf der anderen Seite erzählt er auch das Leben Goldins, von der psychotisches Vorortfamilie hin in das Zentrum der New Yorker Undergroundavantgarde. Die Doku ist dadurch sowohl politisch brisant als auch ein farbenfrohes Historienfresko, wird lyrisch und schließlich extrem persönlich. Unbedingte und uneingeschränkte Sehempfehlung von mir an alle! Review hier.

Viel Festivalkino, wie ihr merkt, aber eben auch einige richtige Hits. Ein paar garantierte Magneten, ein paar, bei denen man vielleicht über seinen Schatten springen muss. Jedenfalls genügend Gelegenheit, den trüben Tagen rein in den Kinosaal zu entfliehen. Schnappt euch Freunde, Familie und eingeschlafene Mitglieder und füllt die Genusspunktetabellen.

Grüße vom Schloss

Ihr JFK-Burgheer-President

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»A Thousand and One«

This event was held on the 21st of May | »A Thousand and One« scored 7,66 Genusspunkte| @Scala


It’s a quiet drama despite its characters’ many volatile arguments. Most of all, it’s a moving character portrait of a complicated woman who makes good and bad decisions but is motivated solely by the desire to create a better life for herself and the people she loves.

David Rooney at The Hollywood Reporter
Back on Huckepack in der black Hood
Trailer zu »A Thousand and One«
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»Sisu«

This event was held on the 22nd of April | »Sisu« scored 7 Genusspunkte | @Savoy


With very little dialogue, the director […] tells the very simple story of a brutal killing machine taking down some Nazis in the hazy days following the end of World War II. A version of the title basically means “Immortal,” and the protagonist here is that kind of Mad Max maniac, a former soldier tired of all the bullshit and just wants to go home. „Sisu“ gets a bit repetitive and arguably lacks much to offer beyond its gore, but it works on its own B-movie terms. Who doesn’t want to watch Nazis go boom?

Brian Tallerico at RogerEbert.com
Nazis (links) fahren… warte… die sind links???
Trailer zu »Sisu«
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Preview April

Im März gab es ein Déjà-vu. Eine ganze Bonbontütte voller bunter cinematorischer Leckereien… und kaum Besucher bei den Kinoevents. Uff. Baumannconsulting schreibt rote Zahlen, der CEO ist nach wie vor vermisst, man munkelt von Kontontransfers in die Türkei und immer mehr Vorstandsmitglieder stecken mit im Skandal. Uff. Und was waren noch die best besuchtesten Filme? »65«??? UFF. Und wahrscheinlich werden auch diesmal JFK-Dissidenten »Guardians of the Galaxy« oder »Coldplay« (WTF LB??) als ihr Monatshighlight ins Letterboxd-Tagebuch tippen. Ich sehe schon die Gruppeneinladung zu »Cocaine Bear« im Chat… Immerhin! Die Weebs füllen schon die Gruppe für »Suzume«. Anime heißt im JFK immer noch Aniwe. Na gut, dann will ich mal nicht beleidigt sein. Hier ein zweiter März, also vor allem mengenmäßig. Und vielleicht auch mit dem einen oder anderen kleineren oder größeren Highlight.

Ganz unerwartet auf dieser Liste steht »Air«. Ich bin kein großer Ben-Affleck-Fan und hatte deswegen mit keinem großen Wurf gerechnet. Doch anscheinend hat der zweifache Oscargewinner mit seiner neuen Regiearbeit einen Slamdunk gelandet. Nachdem schon »Hustle« damals einigen Enthusiasmus im JFK erregen konnte, gibt es jetzt gleich noch einen weiteren Basketball-Film, diesmal über NBA-Legende Michael Jordan. Affleck (»Argo«, »Gone Girl«, »The Last Duel«) sitzt im Regiestuhl, aber auch vor der Kamera, neben ihm sein Buddy Matt Damon (»Stillwater«, »Good Will Hunting«, »The Last Duel«) sowie Viola Davis (»Suicide Squad«, »Widows«) und Jason Bateman (»Castle«). Oldschool Sportfilm. Gibt man keinen Korb (sorry).

Genug vom Hollywood-Schmonz hat Tarik Saleh nach seinem Chris-Pine-Action-Flop »The Contractor« (oder Hollywood hatte genug von ihm [Hust]). Der ägyptische Genrehandwerker ist zurück in seiner Heimat und greift mit »Die Kairo Verschwörung« quasi als Sühne nach einem höheren Register. Der Thriller taucht in die Katakomben der islamischen Machtstrukturen, als der Großimam Kairos stirbt und der Kampf um seine Nachfolge beginnt. Politisch explosiv, imposante Bilder. In Cannes prämiert für das Drehbuch.

Aber auch das ist noch eher klassisches Genrekino. Meine Garçons und Filles wollen natürlich full ham Frankokino ballern. Dafür sorgt Léa Mysius (Drehbuch von »Wo in Paris die Sonne aufgeht«) mit ihrem neuen Film »The Five Devils«. Handlung irgendwo im Mystery-Coming-of-Age-Fantasy-Sektor, wahrscheinlich sollte man am besten nicht zu viel wissen. Wichtig ist: FRANZÖSINNEN. PYROMANIE. HALLOOOOOOOO! Nicht nur wegen smoking hot Adèle Exarchopoulos haben wir hier endlich wieder einmal die Chance auf das, was den JFK (Jeune Femme Kamikaze-Auto-Inflammation) ausmacht. Wer nicht mitkommt, kann auch gleich seine Mitgliedskarte verbrennen.

Brennen tat es auch in Argentinien, als in 2019 die Demonstrationen in Chile dafür sorgten, dass die Regierung das Militär gegen die Bevölkerung mobiliserte und wenig später die Verfassung neu geschrieben wurde. Und das alles wegen U-Bahn-Ticketpreisen. Nicht mitbekommen? Kein Problem. Die chilenische Dokumentarfilmlegende Patricio Guzmán hat mitgefilmt und einen eindrucksvolles Porträt eines Landes in Sturm mit »Mi país imaginario – Das Land meiner Träume«. Kraftvolle Dokumentation über die Kraft des Volkes, vor allem seiner Frauen. Ich konnte ihn letztes Jahr schon beim FilmFest Hamburg sehen, Bericht hier.

Wo wir schon mal auf Weltreise sind, lasst uns doch auch mal schön ans Mittelmeer. Auf nach Griechenland! Deren Greed-Weird-Wave mit Lanthimos und Co. ist zwar schon länger vorbei, aber Christos Nikou scheint ein Nachzügler zu sein. Dabei ist das Thema gar nicht so exzentrisch: Es gibt eine Pandemie (falls sich jemand nicht mehr erinnern kann, 2020 (Erscheinungsjahr des Filmes) war das noch aktuell). Nur löst sie nicht Husten aus, sondern Amnesie. Statt guter Impfe gibt es aber nun ein Therapieprogramm, dass Erkrankten eine neue Identität geben soll. »Apples« war nach dem ersten Lockdown ein großer internationaler Festivalliebling und für die, die mit der Lanthimos-Exzentrik (»The Favourite«, »The Lobster«, »The Killing of a Sacred Deer«) was anfangen konnten bestimmt einen Blick wert.

Noch weirder wird es aber wohl bei »Infinity Pool« werden. Brandon Cronenberg (»Possessor«) hat, nachdem Papa schon gerade seinen Neuen vorlegte – auch in Griechenland gedreht! –, auch jetzt seinen nächsten Film fertig und spilet natürlich wo: Auch im Urlaubsparadies! Doch die Bodyhorror-Sci-Fi wird schnell gar nicht mehr so paradiesisch. Nach einem Autounfall muss sich ein Autor vor Gericht veranworten, jedoch bietet man im Inselresort La Tolqa einen besonderer Deal an, wenn man es sich nur leisten kann. Was für ein Strudel aus Gewalt, Sex und verformten Körpern sich dahinter versteckt, sollte am Besten im Dunkel des Kinosaals entdecken. Aus den Schatten schmieden sich die geschmeidigen Leiber von Alexander Skarsgård (»The North Man«, »Passing«) und Mia Goth (»High Life«, »X«) an einen. Bis sie nicht mehr so geschmeidig sind… Warnung: Kritiken SEHR gemischt.

Während ich noch sehr am Strugglen bin, ob ich mir »Infinity Pool« wirklich ansehen muss und auf der anderen Seite wohl die meisten von euch rein wollen, sieht es bei meinem Monatshighlight wohl genau umgekehrt aus. »Roter Himmel« ist der neue Film von Christian Petzold, unserem Regie-Superstar in der Filmtwitterblase. Das sommerliche Drama, zweiter Teil seiner Elementargeist-Trilogie nach »Undine« (jasmin-approved), hat in Berlin abräumen können und auf Letterboxd überschlagen sich die Reviews. Der wohl noch immer unterschätzte Thomas Schubert (brillant) spielt einen jungen Autor in der Krisis, der von der sich amüsierenden Mitbewohnerin (my darling und Goldene-Schnecken-Gewinnerin Paula Beer) im Ostseehaus seines Freundes noch mehr aus seiner Konzentration geworfen wird. Das Dahinplätschern wird plötzlich brenzlig, als Waldbrände überall in der Gegend aufflammen. Ein bisschen Sommerbrise, ein bisschen verspielte Romantik, ein bisschen malerische Apokalypse. Heißer Kandidat für den Film des Jahres bei mir.

Ja, ich weiß, ich kann sagen was ich will, wenn’s kein Gangsterrap oder Netflixhit ist, krieg ich die Rasselbande nicht ins deutsche Kino. Um die Todsünde aus der Kiste zu kramen: Deutsche Comedy. Aber wer Loriot nicht mag, der ist auch einfach ein Kretin, Kulturbanause und dummdreistdämmlicher Eumel. Zum 100sten Geburtstag des Erfinders von deutschem Humor, unser Monty Python!, gibt es seine Trickfilme nochmal kompiliert zur großen Revue auf der noch größeren Leinwand. Der Familienoriginalbenutzer, die Herren im Bad, pneumatische Plastologie. »Loriots große Trickfilmrevue« unterläuft natürlich Essenzen des klassischen Loriot-Charmes (Kürze, Vereinzeltheit und gewisse BRD-TV-Schäbigkeit) und vermutlich wird hier erstrecht niemand reinwollen. Aber vielleicht wollen ja doch noch ein paar den 100sten des Meisters mitfeiern.

Was wiederum ihr vermutlich gucken wollt, ich aber definitiv nicht gucken will und hier auch dezidiert nicht empfehle oder feature, sind die zwei letzten Titel dieses Monats. Zum einen ist da »Empire of Light« über Kinoliebe mit Olivia Colman (»The Favourite«), Michael Ward, Toby Jones (»Sherlock«) und Colin Firth (»Mamma Mia«), fotografiert von Roger Deakins (»1917«), Musik von Trent Reznor und Atticus Ross (»Mank«), Buch und Regie Sam Mendes (»1917«). Zum anderen ist da »The Whale«, Fettleibigkeit auf engen Raum, oscarprämiert, mit Brendan Fraser (»Die Mumie«) und Sadie Sink (»Stranger Things«). Beides große Namen, beides unter Verdacht furchtbar manipulativen Kitschs.

Urlaub und Feuer dominieren diesen Monat und führen uns aus dem unerwartet verschneiten März hinaus. Nicht so viel Hollywood, aber als Fans für vom European Cinema Intro ist das ja geradezu ein Vergnügen. Ich hoffe ein paar Leute bei »Roter Himmel« zu sehen und bei »The Whale« nicht zu viele Genusspunkte. Aber am meisten hoffe ich, dass Franzosen brennen. S’il vous plaît.

Bisous à mes lapins de Pâques

Euer Président

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»Roter Himmel«

This event was held on the 20th of April | »Roter Himmel« scored 8,46 Genusspunkte | @Scala


While, on one level, it seems to belong to international cinema’s increasingly prevalent strain of climate catastrophe dramas, on another it’s a brittle character piece, a comedy of social embarrassment with a dark and ultimately tragic undertow. Until, that is, a coda ties it off in another register entirely.

Jonathan Romney in Screen Daily
Joris, wenn er wieder sechs Stunden an der Preview sitzt und insgesamt zwei Leute kommentarlos in vier der acht Filme
Trailer zu »Roter Himmel«
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»The Five Devils«

This event was held on the 24th of July | »The Five Devils« scored 7,66 Genusspunkte | @JFK-Plaza


Some viewers may be frustrated by the opaque way all threads are resolved. To the end, Mysius retains the sense of her film being a glistening and mysterious object, you can watch but can’t touch. Yet this intact mystery flows from themes too vast to ever be rendered fully transparent: young girls are prescient and love is fate.

Sophie Monks Kaufman in IndieWire
[You can hear this image]
Trailer zu »The Five Devils«
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»Air«

This event was held on the 7th of April | »Air« scored 7,35 Genusspunkte | @UCI Kinowelt


Each actor in Affleck’s latest film gives a powerful and award winning performance. “Air” is a slam dunk and ultimately one of the best sports movies ever made. Affleck successfully captures Nike’s heartwarming and hilarious marketing  journey while paying respectful homage to all involved. “Air” is a tremendous underdog story filled with lovable characters. It’s truly a film about legends made by legends. 

Marisa Mirabal in IndieWire
JFK-Chefetagen-Meeting zum Thema Drip
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»Suzume«

This event was held on the 13th of April | »Suzume« scored 7,59 Genusspunkte | @Filmpalast


[»Suzume«] is a spiritual journey through the very fabric of a land, anatomizing how we navigate nostalgia for home and grief for lost loved ones when both have been long-destroyed by the senseless strike of an invisible force. With it all packaged into a story of cosmic reconciliation between Suzume and her inner child, the emotional heft of this thing breaks the Richter scale.

Steph Green in IndieWire
Suzume (links, lacht) und Stuhl (rechts, ist witzig)
https://youtu.be/6R6q2fAp2n4
Trailer zu »Suzume«
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Preview März

Des Februars Äcker lagen brach, ohne Sonne, Wärme, Licht. Ohne Mich.

Das lyrische Ich personifiziert sich hier natürlich im heiligen Geist des JFKs, der Sehnsucht nach Filmen, dem Flimmern auf der Leinwand und Popcorn, das beim ekstatischen Versteifen aller Muskelphaserstränge im Hals die Lungenfunktionen an Grenzen führt, die sonst nur David Carradine erlebte. Aber der März haucht gegen diesen karamellisierten Krümel seinen vollen odem cinematorischer Vollmundigkeit und lässt einen wieder die klare Luft der bunten satten Filmwelt, die sich im Oscarmonat hier vor euch ausbreitet.

Der Monat ist überprall, aber eigentlich schon nach dem ersten Film irrelevant. Ich hab Caty und Nina leider jetzt in Berlin knapp verpasst als ich mit Kristen auf der Teddy-Party die neue Chanel-Collection besprochen habe. Aber apropos Berlin: Genau dort spielt »TÁR« (Gewinner von zwei Goldenen Schnecken inklusive Bester Film plus allen anderen Preisen, die euch einfallen). Cate Blanchett gibt eine Lifetime-Performance als die brillante Dirigentin Lydia Tár, deren Leben plötzlich in einer schwindelerregende Abwärtsspirale gerät. Todd Fields großer Comeback-Film, ein finster dröhnendes Psychodrama, grimmig und unnachgiebig, berauschend und formvollendet. Mit dabei noch Nina Hoss und Noémie Merlant (»Porträt einer jungen Frau in Flammen«, »Wo in Paris die Sonne aufgeht«). Tipp: Im Original gucken, um zu erleben, wie Blanchett selbst auf Deutsch switcht, um ein Schukind zu bedrohen. Mehr hier.

So, wahrscheinlich liest jetzt eh keiner mehr, da alle schon ihre »TÁR«-Tickets im Dutzend-Pack kaufen, also jetzt zu einem ganz kleinen Film, der vermutlich eh niemanden interessiert. »Return to Dust« erzählt die Geschichte eines Bauernpaars, das das raue Landleben schweigsam zu erdulden versucht. Eine in malerischen Bildern festgehaltene Studie eines Chinas weit abseits der Städte, die einerseits vor stummer Härte bebt, andererseits in zarter Menschlichkeit erglimmt. Mehr hier.

Okay, womit wecke ich die Kidz jetzt aus ihrem Sekundenschlaf… ADAM DRIVER! DINOS!! LASERPISTOLEN!!! Wieder da? Sehr gut. Naja, wobei… Ich habe keine Ahnung, wer zur Hölle »65« für eine gute Idee hielt, aber hier ist er: Adam Driver landet mit einem kleinen Mädchen auf einem fremden Planeten, der eine Art Dublikat der Erde, nur 65 Millionen Jahre vorher ist. »Es ist schwer ein Gott zu sein«, nur mit Dinos statt mit Rittern und mit Laserwaffen statt mit Schwertern und Morgensternen (ist das wirklich ein Upgrade?). Ich weiß, dass einige den bestimmt gucken wollen, und hey, ein vollkommen bescheuerter No-Brainer mit dem begnadetsten Darsteller seiner Generation (der nur mal wieder einen guten Film machen müsste), kann man mal machen. BALLERN!

Das hat sich auch die französische Filmkritik gedacht, die ausgerechnet dem (Zitat Jacques Rivette) Miststück Spielberg den Film mit der höchsten Durchschnittswertung aller Zeiten gegeben. Na toll. Aber irgendwie bin ich doch auch schon sehr neugierig auf den Toronto-Gewinner und Oscar-Favoriten »The Fabelmans«. Das lang gehägte kleine autobiografische Projekt von Steven Spielberg (»Der weiße Hai«, »Schindlers Liste«, »Indiana Jones«) wird von Publikum und Kritikern gleichermaßen geliebt. Ein kleiner Junge will Filme machen, wobei aber zwischen seinen ersten Sets im Kinderzimmer langsam die Ehe seiner Eltern zerbricht. Michelle Williams (»Brokeback Mountain«, »Shutter Island«) als Mutter, Paul Dano (»12 Years a Slave«, »Swiss Army Man«, »The Batman«) als Vater, Seth Rogen (hat auch gute Filme gemacht) als irgendwer, DAVID FUCKING LYNCH ALS JOHN FUCKING AUGENKLAPPE FORD. Ja, natürlich muss ich den gucken. Wenn er das Ende wieder verhaut, box ich das Miststück.

Nach zwei White-Boy-Fantasien nun mal was von einer schwarzen Frau mit schwarzen Frauen über schwarze Frauen. Die aufstrebende Dokumentarfilmerin Alice Diop wechselt zum Spielfilm und erzählt in ihrem César- und Silber-Löwen-prämierten »Saint Omer« von einem Prozess in Nordfrankreich (Réminems Hood). Dort steht die Senegalesin Laurence Coly vor Gericht, die ihr Baby ertränkt haben soll. Doch beim Beobachten der Verhandlung stellt die ebenfalls senegalesisch stämmige Professorin Rama aus Paris fest, dass der Fall alles andere als eindeutig liegt. Für mich einer der meisterwartetsten Filme des Jahres. Kann leider keine brennenden Französinnen versprechen.

In Korea werden Babys nicht ertränkt, aber weggegeben. Aus einer Babybox (andere Art von Asiabox) fischen zwei Gauner in strömenden Regen ein klitzekleines Kindchen. Dessen Mutter, das es ausgesetzt hat, findet jedoch ihr Kind samt den beiden Kleinkriminellen wieder. Und gründet eine neue, bessere Familie mit ihnen. Kore-eda (»Shoplifters«) macht nach Frankreich einen Ausflug nach Südkorea, exportiert seine feinfühligen Familiendramen aus Japan aber auch dahin. »Broker« soll kein großer neuer Triumph in der Filmographie des Meisters sein, bietet jedoch wieder einen wunderbaren Cast, darunter Song Kang-ho (»Parasite«, »Memories of Murder«, »The Host«) und K-Pop-Star IU.

Um ungewöhnliche Gespanne geht es auch in »Das Blau des Kaftans«. Ein marokkanisches Ehepaar muss sowohl die gemeinsam verheimlichte Homosexualität des Gatten als auch die schwere Krankheit der Gattin aushalten. Doch haben sie darin irgendeine Art Gleichgewicht entwickelt, was nun jedoch von einem jungen Lehrling in ihrer Schneiderei gestört wird. Eine um die ganze Welt herum auf Festivals bejubelte Liebesgeschichte, sensibel und intim, die in ihren Bildern ganz nah heran und tief hinein in die Innenleben ihrer Figuren geht.

»Das Blau des Kaftans« hätte man auch schon beim Filmfest Hamburg mitnehmen können, genauso »Sick of Myself« beim Fantasy Filmfest. Auch die finstere Komödie aus Norwegen kommt jetzt in die deutschen Kinos und erzählt das kompetitive Ringen eines Paares in ihrer hin und her gehenden toxischen Beziehung. Um in der anscheinend neuen JFK-Manier den ausgelutschten Running-Gag aus den Letterboxd-Top-Comments: »Der schlimmste Mensch der Welt« – Tag der Abrechnung.

Auch als alles andere als eine zahme Märchenprinzessin entpuppte sich durch »Corsage« zuletzt die österreichische Kaiserin Elisabeth alais Sisi. Die ehemalige Kitschikone der Großmutter-Generation scheint eine Renaissance zu erleben, nun mit »Sisi & Ich«. Diesmal wird das Porträt der Kaiserin aus der Sicht ihrer Hofdame gezeichnet, während sie an die griechische Mittelmeerküste reisen. Dargestellt von einigen der besten Namen des deutschsprachen Schauspielfachs (Sandra Hüller, Susanne Wolff, Angela Winkler, Stefan Kurt, Georg Friedrich) wird Sisi diesmal nicht nur aus dem Korsett des Hof-Dekors gehoben, sondern auch in ungeahnte lesbische Liebesneigungen geschleudert. Und das trotz Anstandsdame! Drehbuch Christian Kracht. Sehr positiv aufgenommen in Berlin, nachdem unerwarteten Interesse an »Corsage« letztes Jahr jetzt auch hier empfohlen.

Auch wenn’s dem JFK-Normalverbraucher schmerzt, schieben wir gleich noch einen weiteren Film deutscher Zunge hinterher, aber immerhin ist der Titel auf Englisch. »The Ordinaries« wurde als außergewöhnlicher Nachwuchsfilm vielfach prämiert und ist tatsächlich ein wenig kompliziert zu erklären. Die High-Concept-Meta-Komödie erzählt von einer Welt, in der die Menschen als Hauptrollen und Nebenrollen innerhalb eines großen Filmsets existieren. Paula träumt davon, irgendwann mal eine eigene Storyline und spannende Szenen zu bekommen. Deswegen geht sie jetzt logischerweise zur Hauptfigurenschule. Herrlich skurril, beeindruckend ambitioniert, cinematorisch bis sich alles dreht.

Die deutschen sind nun nicht für gute Komödien bekannt, dafür die Franzosen aber für gute Thriller. Patrice Leconte widmet sich nun zum zweiten Mal dem Meister des psychologischen Kriminalromans Georges Simenon, diesmal endlich seiner bekanntesten Figur: »Maigret«. Diesmal gibt Gérard Depardieu den legendären Ermittler und spürt im Paris der 50er dem Tod einer jungen Frau nach. Klassisches Krimikino, gehüllt in Schatten der Schwermut, mit einem Hauptdarsteller im Großformat. Nicht umsonst sagt man über Depardieu, dass mit seinem Umfang sein Talent nur noch wachse.

Wenn ihr euch fragt, wie ihr das alles im Kino schaffen sollt: Auch zuhause wartet noch Ware und die eine bringe ich frisch von der Berlinale mit. »Kill Boksoon« ist der neue Film von Byun Sung-hyun, den die Hamburg-Crew zuletzt mit seinem Polithriller »Kingmaker« entdeckte. Diesmal streicht er die ernsthafte Reflexion koreanischer Geschichte auf Basis wahrer Begebenheiten und erzählt stattdessen von einer berüchtigten Serienkillerin. Einer Serienkillerin, die aber auch alleinerziehende Mutter mit einer Teenie-Tochter ist. Vermutlich keine zu gehaltvolle Kost, aber stylische Action entspannt auf Netflix für die »John Wick«-Crowd (die ja auch noch den vierten Teil der Reihe diesen Monat bekommt).

Zum Schluss noch ein Film zum Nachholen: Wer ihn nach drei Monaten noch immer nicht im Kino sehen wollte (läuft in Hamburg, Marburg und etlichen anderen Städten noch immer) und sich auch zu schade war, kurz mal den VPN für MUBI GB anzuschalten, der hat jetzt ab dem 15. März auf MUBI DE endlich die Chance, »Aftersun« nachzuholen. Das feinfühlige Vater-Tochter-Drama im türkischen Sommerresort mit dem hierfür Oscar-nominierten Paulchen Meskalin (»Normale Leude«) hat letztes Jahr Platz 2 auf der Coerdtschen Jahresliste errungen und galt praktisch überall als eines der großen Meisterwerke 2022. Und das mit einem Debüt!

Es gibt viel zu tun und dann konkorrieren auch noch so starke Titel um die Gunst. Dabei hab ich schon den Felix-Lobrecht-Film »Sonne und Beton«, das »Manta Manta«-Sequel, »Dungeons & Dragons« und sogar den neuen »Wilde Hühner«-Film weggelassen. Bevor wer fragt: Von dem schrägen Kammerspiel »Inside« mit Willem Dafoe wurde ihr auf der Berlinale von mehreren Seiten aus erster Hand abgeraten, daher hier ebenfalls ausgespart. Ihr seht: Die kuratosiche Pflicht, wird nach wie vor gewissenhaft erfüllt. Die Superhelden-Konsumenten haben das sicher auch für diesen Monat schon wieder gemerkt. Aber nehmt die Filmflut als Chance, die Rückkehr des Heilands und des L zu dem B ausgiebig zu zelebrieren. Schreibt gerne in die Kommentare, auf wen ihr euch noch bei den Events zu sehen freut (Mann mit Brille? Himmlische Mutter? Erik?). Und guckt »TÁR«. Mein Gott, warum lest ihr das hier gerade und nicht in diesem Moment schon Tickets???

Hochachtungsvoll

Ihr JFK-President

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»Kill Boksoon«

This event was held on the 15th of May | »Kill Boksoon« scored 7 Genusspunkte | @JFK-Plaza


Drawing from the John Wick well of murder-for-hire, Byun Sunghyun’s action thriller is as focused on fleshing out its characters as it is on delivering exhilarating set pieces.

Lou Thomas on BFI
Ich glaube, da ist eine Waffe, aber sie ist so unscharf…
Trailer zu »Kill Boksoon«