Kategorien
Movie

»Amsterdam«

This event was held on the 26th of November 2022 | »Amsterdam« scored 6,82 Genusspunkte | @Filmpalast


It’s an audacious odyssey that buckles under the weight of all its ornate and flights of quirky fancy. But if you’re a cynical optimist that’s disgusted with the rise of despotism, absolutism, rancid lies, revolting white supremacist beliefs but still wants to believe in humanity, hope, and the goodness of people, it might just strike a major chord.

Rodrigo in The Playlist
Eine Tapete in gräulichem Blau, darauf allerlei gerahmte Bilder, Kupferstiche und weitere Papierstücke. Rechts eine Vase auf dem Schrank. Zwei Männer und eine Frau versperren die Sicht auf die geschmackvolle alteuropäische Einrichtung.
Trailer zu »Amsterdam«
Kategorien
Movie

»Crimes of the Future«

This event was held on the 15th of November 2022 | »Crimes of the Future« scored 7,46 Genusspunkte | @Studio Kino


Crimes of the Future is Cronenberg to the core, complete with its fair share of authorial flourishes (the moaning organic bed that its characters sleep in is a five-alarm nightmare unto itself) and slogans (“surgery is the new sex”). At the same time, however, this hazy and weirdly hopeful meditation on the macro-relationship between organic life and synthetic matter ties into his more wholly satisfying gross-out classics because of how it pushes beyond them.

David Ehrlich in IndieWire
„Frau Doktor, bin ich schwanger?“ „Nope, das sind die sechs Luxusburger vom Samstag.“
Trailer zu »Crimes of the Future«
Kategorien
Preview

Preview November

CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG CRONENBERG

David Cronenberg ist endlich wieder zurück und nicht mit einer Literaturverfilmung, nicht mit Gangsterstreifen, sondern SO RICHTIG. »Crimes of the Future«, Sci-Fi-Setting, es wachsen Organge mit unbekannten Funktionen, ein Aragorn sagt sich, er macht ’ne Performance-Show draus, wie er sich das Zeug rausoperieren lässt. Körperhorror par excellence, lustvoll atmendes wildes Fleisch, Zungen in chirurgisch geschaffenen Körperöffnungen, WAS WILL ICH MEHR? Genau: Neben good old Viggo Mortensen (»Herr der Ringe«, »Green Book«, »Dreizehn Leben«) gibt es gleich meine beiden Queens Léa Seydoux (»No Time to Die«, »France«, »The French Dispatch«) und Kristen Stewart (»Spencer«, »Personal Shopper«). Plus »Berlin Alexanderplatz«-Protagonist Welket Bungué. LANG LEBE DAS NEUE FLEISCH!

Einer für, jetzt zwei für euch: Da wäre zum einen der mit Stars gemästete »Amsterdam«. David O. Russell (»American Hustle«, »Silver Linings Playbook«, »The Fighter«) ist wieder da mit einer abstrusen wahren Geschichte, diesmal über ein Trio von Freunden zwischen den Weltkriegen. Eine Screwball-Comedy der alten Schule. MASSIV gefloppt in den Staaten. Vielleicht aber dennoch für den einen oder die andere hier interessant. Denn der Cast setzt sich wie folgt zusammen: Margot Robbie, Christian Bale, John David Washington, Robert De Niro, Anya Taylor-Joy, Rami Malek, Chris Rock (verwundet von Will Smith), Zoe Saldaña, Mike Myers, Michael Shannon, Timothy Olyphant, ANdrea Riseborough, Matthias Schoenaerts und Taylor Swift (mit deren Schlüsselszene sich der Film laut David Ehrlich unsterblich mache).

Der November scheißt euch aber mit noch mehr Stars zu, denn Rian Johnson schickt wieder ein illustres Ensemble in einen Mordfall unter Aufsicht vom Donut-Detektiv Benoic Blanc. »Knives Out« geht mit »Glass Onion« in die zweite Runde, der Ring ist diesmal Griechenland, die Kontrahenten sind unter anderem Edward Norton, Janelle Monáe, Ethan Hawke, Dave Bautista und Kate Hudson. Daniel Craig natürlich mittendrin. Nachdem der erste Teil gleich zwei Goldene Luxusburger gewann, sehe ich mich gezwungen, den hier mit aufzunehmen. What you get is what you see. Ich schätze, die potentiellen Interessenten, sind eh sold. Genau wie die Rechte am dritten Teil der Krimireihe, wie man munkelt.

So, nach einem JFK-Darling nun der große Antagonist des kultigen Kinokonglomerats: Deutsches Kino. Mit Hans-Christian Schmid kehrt *endlich* der Regisseur von »Requiem« zurück, einem der aufregsten Filme der 2000er. Diesmal greift er sich den autobiographischen Entführungsroman »Wir sind dann wohl die Angehörigen«. Die Besonderheit ist, dass dieser legendäre deutsche Kriminalfall nicht als »Taken«-artige Thriller-Grütze aufgezogen wird, sondern mehr als Psychodrama der hilflosen Hinterbliebenen. Schmid hat ein besonderes Talent für Familiendynamiken, für diffuse Unruhe. Sehr gute Kritiken, gilt als einer der großen deutschen Filme der Saison.

Nochmal wahrer Fall, diesmal aber Frankreich. Vielleicht klingelt es bei einigen noch beim Namen Bataclan, ein Pariser Club, in dem es 2015 einen islamistischen Terroranschlag gab. »Meinen Hass bekommt ihr nicht« erzählt nun, insofern auch ähnlich zum Schmid-Film, die Geschichte eines Mannes, der seine Frau bei den Anschlägen verloren hat. Ein Film über Trauer, Trauma, aber auch den persönlichen wie nationalen Kampf darum, dass das Leben weiter geht. Und wie man dem Hass des Terrors antwortet. Vielfach gelobt als intimes Drama, aber auch eindringliches Porträt modernen Terrorismus.

Keinen Bock auf wahre Geschichten? Dann passt vielleicht »Bardo«, der (auch schon im Original) den Beititel »Die Erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten«. Den neuen Film vom fünffachen Oscarpreisträger Alejandro González Iñárritu (»Birdman«, »The Revenant«) habe ich bereits in Venedig gesehen. Der Maestro tritt diesmal in ein kunterbuntes Spiegelkabinett zwischen mexikanischen Flüchtlingsströmen, US-Flughafenkontrollen und Axolotln im Bus. Sein »Otto e mezzo«, mit Ansage, als epische Tragikomödie. Gewaltige Bilder, unbedingt auf der großen Leinwand sehen.

Ein anderer Mexikaner bekommt dieses Jahr nach »Nightmare Alley« eine zweite Chance an den deutschen Kinokassen. Endlich durfte Guillermo del Toro nämlich seinen »Pinocchio« machen. Die dreitausendste Verfilmung in den letzten fünf Jahren, diesmal aber als richtig schöner Animationsfilm mit der gewohnt märchenhaften Phantasmagorik des Meisters. Und diesmal auch mit Mussolini im Hintergrund. Lieber eine Holzpuppe mit wachsender Nase als ein Faschist.

Auch animiert ist ein Film, auf den sich ein paar wie ich weiß schon sehr freuen und anscheinend soll er im November wirklich kommen: »Inu-oh« erzählt von einem Jungen, das sich aufgrund außergewöhnlicher Körpermerkmale am ganzen Leib mit Stoffen, einschließlich Maske bedeckt. Dann trifft er ein anderes Kind, einen blinden Musiker, woraus sich eine Freundschaft bildet, die aber auch an den beiden Geheimnissen der Jungen rührt. Groß gefeiert vor einem Jahr am Lido.

Wie bleiben in Ostasien, bewegen uns aber ein Stückchen nach Westen: Aus Südkorea kommt »Die Schriftstellerin, ihr Film und ein glücklicher Zufall«. Wie jedes Jahr hat Hong Sang-Soo damit einen Preis auf der Berlinale gewonnen und es ist halt wieder Hong Sang-Soo. Hong dreht jedes Mal den exakt gleichen Film und das seit fast drei Dekaden. Minimalistische Dialogdramen ohne nenneswerte Handlung, gedreht mit Mikro-Budget, im Grunde immer mit Kim Min-Hee (»Die Taschendiebin«). Die kommen fast nie nach Deutschland. ENDLICH hat es jetzt aber mal wieder einer (jedes Jahr kommen in etwa zwei neue Streifen) in die Bundesrepublik geschafft. Absolutes Filmnerd Material, aber vielleicht mal nach der Öffnung durch Hamaguchi mit »Drive My Car« und »Das Glücksrad« auch interessant für normalere Menschen. Hong ist in Korea übrigens so einflussreich, dass es mittlerweile flächendeckend den Begriff des „Post-Hongian-Cinema“ gibt. Für mich jedenfalls ein absolutes Highlight diesen Monat, zumal es so selten eine Gelegenheit gibt, diesen filmischen Seelenbalsam auftragen zu dürfen.

Ich knall jetzt einfach noch zwei Hardcore Arthouse-Kracher hinterher: Der Erste ist »Il Buco – Ein Höhlengleichnis«, den ich letztes Jahr im Rahmen des Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg gesehen und war völlig weggeblasen. Noch nie sowas gesehen. Fast dokumentarisch wird der Abstieg in eine der welttiefsten Höhlen während der 60er in Norditalien gezeigt, jedoch rauscht da die ganze Zeit etwas diffuses Unheimliches im magischen Realismus von Michelangelo Frammartino. Sagenhafte Bilder, die nicht umsonst mit der Goldenen Schnecke prämiert worden. Großer Kritikerliebling. Auch von mir.

Der andere ist wieder ein (nicht erschrecken) deutscher Film. »Echo« lief auf der Berlinale, kam gut weg und klingt ordentlich. Ein Afghanistan-Veteran landet in der Provinz, aber das Trauma hallt nach. Gleichzeitig werden zwei Dinge gefunden: eine Mädchenleiche und eine Weltkriegsbombe. Irgendwie schwarzhumorige Satire auf den typisch deutschen Heimatkrimi, dann aber auch wohl sehr tiefschneidend psychologisch, dann jedoch wieder völlig surreal. Antike Mythen und Papageien, alles, was man so braucht.

Wo wir gerade bei rauem Land sind: Niemand hat das karge britische Land so gemalt wie die Brontës. Und Emily Brontës Geschichte (die Autorin von »Wuthering Heights – Sturmhöhe«) kommt jetzt auf die große Leinwand mit »Emily«. Kostümdrama, aber ohne großen Pomp, feministisch, empfindsam, leidenschaftlich. Vielleicht sogar zur anschließenden Lektüre motivierend.

Puh, aber wer hat denn Zeit 500 Seiten zu lesen? Ein echter Chefetageler hat für sowas doch keine Zeit! Zwischen Astor und Kopenhagener Aufsichtsrat kann man nur eines lesen: eine Speisekarte. Daher lüften wir die silberne Glücke und schauen uns doch mal »The Menu« mit Anya Taylor-Joy (»Das Damengambit«, »Emma.«, »The Northman«), Nicholas Hoult (»The Favourite«, »Mad Max: Fury Road«) und Ralph Fiennes (»Harry Potter«, »Kingsman«, »Grand Budapest Hotel«) an. Ein Pärchen, eine abgelegene Insel, ein Luxus-Restaurant, viele dunkle Überraschungen. Quasi Rodizio. Hoffentlich auch genauso blutig. Soll zumindest eine Art satirischer Horrorthriller sein. Adam McKay (»Vice«, »Don’t Look Up«) hat produziert.

Apropos »Don’t Look Up«: den Weltuntergang gibt es auch noch. Zumindest im Orginaltitel: »Armageddon Time« (zu Deutsch »Zeiten des Umbruchs« (*Schmerz*) erzählt semi-autobiografisch die Geschichte einer jüdischen Familie im New York der 80er. Gebildet wird diese Familie aus Anne Hathaway (»Brokeback Mountain«, »Der Teufel trägt Prada«, »Interstellar«), Jeremy Strong (»The Big Short«, »The Gentlemen«, »Succession«) und Anthony Hopkins (»Das Schweigen der Lämmer«, »The Father«) plus Nachwuchstalent Banks Repeta. Sehr gefühlvolles Ensembledrama, in Cannes gefeiert. Geschrieben und inszeniert von James Gray (»Ad Astra«, »Versunkene Stadt Z«).

Und was ist noch schlimmer als der Weltuntergang? Richtig: eine deutsche Feelgood-Komödie. Normalerweise springen die hier immer von der Klinge, aber nachdem LO sein Herz Hals über Kopf an »Wunderschön« verloren hatte, bin ich verpflichtet, auch den neuen Karoline Herfurth Film hier mit aufzuführen. »Einfach mal was Schönes« ist schon der zweite schöne Titel infolge und ist natürlich auch wieder so richtig schön. Ich übernehme hier jetzt einfach mal die Inhaltsangabe von meinem Arbeitgeber: Egal, wie sehr die Radiomoderatorin Karla sich auch bemüht, sie findet einfach nicht den richtigen Mann, um eine Familie zu gründen. Doch allmählich läuft ihr die Zeit davon: Karla wird 40, die biologische Uhr tickt. Also beschließt Karla, ihr Mutterglück nicht mehr von einem Mann abhängig zu machen, sondern allein ein Kind zu bekommen. Allerdings zeigt sich ihre Familie, zu der sie ohnehin ein leicht chaotisches Verhältnis hat, von dieser Entscheidung wenig begeistert. Auch nicht einfacher wird die Situation, als Karla sich in Ole verliebt, der zwar wunderbar zu ihr passt, aber leider sehr viel jünger ist, als sie selbst. Schön.

Zwei schnelle Streaming-Kandidaten, beide Netflix: In »The Stranger« wird eine spontane Flugzeugfreundschaft schnell brisant, als ein ungelöster Mordfall Sean Harris (»Spencer«, »The Green Knight«) und Joel Edgerton (»Dreizehn Leben«, »Star Wars«) auch noch zu verbinden beginnt. Grimmig in die Nacht murmelndes Thrillerdrama, atmosphärisch dicht, schauspielerisch intensiv.

Noch intensiver könnte aber dank der Goldenen Schnecken Gewinnerin Florence Pugh (»Don’t Worry Darling«, »Little Women«, »Midsommar«) Sebastián Lelios neuer Film »The Wonder« werden. Florentino Cappucino soll Mitte des 19. Jahrhundert weit draußen im irischen Niemandsland ein Mädchen heilen, das plötzlich aufgeöhrt hat zu essen, aber dennoch Monat für Monat weiterlebt. Handelt es sich um ein Wunder? Betrug? Teufelei? Sherlock Flomes ermittelt als Exflozist. Geschrieben von Alice Birch (»Normal People«, »Lady Macbeth«, »Succession«).

Nun aber wieder zum Wesentlichen.

LANG LEBE DAS NEUE FLEISCH! LANG LEBE DAS NEUE FLEISCH! LANG LEBE DAS NEUE FLEISCH! LANG LEBE DAS NEUE FLEISCH! LANG LEBE DAS NEUE FLEISCH! LANG LEBE DAS NEUE FLEISCH! LANG LEBE DAS NEUE FLEISCH! LANG LEBE DAS NEUE FLEISCH! LANG LEBE DAS NEUE FLEISCH!

Kategorien
Movie

»Wendell & Wild«

This event was held on the 31st of October 2022 | »Wendell & Wild« scored 7,18 Genusspunkte | @JFK-Plaza


For all the clever satirical touches and asides, the gorgeously intricate, wondrous stop-motion landscape is ultimately pure Selick, imbued with a fitting color scheme of swirling, eerily glowing greens and purples choreographed against a mischievous score by Bruno Coulais that effectively sets the mood for the film’s pre-Halloween arrival.

Michael Rechtshaffen in The Hollywood Reporter
Was du siehst, wenn du drei Nächte später um drei Uhr Nachts in Frankfurt an der Oder wieder aufwachst.
Trailer zu »Wendell & Wild«
Kategorien
Movie

»See How They Run«

This event was held on the 1st of November 2022 | »See How They Run« scored 6,67 Genusspunkte | @Studio Kino


There’s a very entertaining daftness and theatre nerdery to See How They Run (the title sounds uncomfortably like Run For Your Wife) as director Tom George takes the same approach to The Mousetrap that Ken Russell took to The Boyfriend: playing up the artificiality of it all. The comedy is shallow in the right way, and Rockwell’s bleary world-weariness contrasts nicely with Ronan’s saucer-eyed idealism.

Peter Bradshaw in The Guardian
Ich, wenn ich erster Praktikumstag.
Trailer zu »See How They Run«
Kategorien
Movie

»Bodies Bodies Bodies«

This event was held on the 2nd of November 2022 | »Bodies Bodies Bodies« scored 7,3 Genusspunkte | @Filmpalast


By combining petty drama, deadpan humor, and the terror of human emotions, the filmmakers effortlessly straddle a liminal space between comedy and horror, never quite tipping their hand too far into either genre.

Marya E. Gates in The Playlist
Fridays-For-Future-Rabauken freuen sich über Regen trotz Hitzerekord-Dürre-Sommer.
Trailer zu »Bodies Bodies Bodies«
Kategorien
Movie

»Rheingold«

This event was held on the 3rd of November 2022 | »Rheingold« scored 7,94 Genusspunkte | @Scala


Ossendorf, Weiterstadt Bochum, ah, Aachen, ah Butzbach, Heimsheim, Stammheim, ah Stadelheim, ah, ah, Santa Fu, ah Werl, Geldern, ah Halle, ah, Düsseldorf Rheinbach, ah, Hagen Rohrbach JVA zu JVA, ah Zähl so viele Scheine wie du kannst bevor du sitzt, ah Alles oder nix, ah Azzlackz, ah.

Xatar auf Besuchstag
Kaltenmoor.
Trailer zu »Rheingold«
Kategorien
Movie

»Triangle of Sadness«

This event was held on the 19th of October 2022 | »Triangle of Sadness« scored 7,75 Genusspunkte | @Scala


The points of Östlund’s Triangle are far from subtle. Vanity is toxic; fortunes corrupt; everyone loves to see an Instagrammer getting their comeuppance. But across its well-earned two-and-a-half-hour running time, epic schadenfreude keeps edging into genuine sympathy, and we feel just sorry enough for these awful people for the next humiliation to sting just as hard.

Robbie Collin in The Telegraph
BaumannSPA: Schmusiger Service unter praller Sonne. Madeira-LB sagt: Gönn dir!
Trailer zu »Triangle of Sadness«
Kategorien
Preview

Preview Oktober

Ach du Scheiße, der Oktober kommt. Obwohl schon Filme aus mehr oder weniger unbekannten Gründen quer durch die Gegend verschoben worden, ist der Monat noch immer rappelvoll. Währenddessen enden alle Ferien und man hat keine Zeit und alle zerschlagen sich in diverse Windrichtungen und… seufz… Naja, vielleicht müssen die einen oder anderen tollkühn selbst in ihre lokalen Kinos steppen. Denn kunterbunte Jahreshighlights gibt’s en masse in diesem Kessel Buntes für die Halloween-Schleckermäulchen.

Aber steigen wir mal ein mit etwas Genre-Marmelade fürs saftige Abendbrot. Nach ihrem Vampir-Skaterfilm »A Girl Walks Home Alone At Night« dreht die Iranerin Ana Lily Amirpour wieder ein wenig am Rad und gönnt sich erneut wieder kaum eine Nacht dafür. In »Mona Lisa and the Blood Moon« bricht die titelgebende junge Dame nicht aus ihrem Gemälde, sondern der Psychiatrie aus und geht auf einen Streifzug durch die blutmondbestrahlten Straßen New Orleans. Die Stripperin Bonnie greift sie auf und entdeckt, dass sie telepathische Fähigkeiten hat, Fähigkeiten, die man für allerlei Dinge nutzen kann. Warum die Polizei auch bald Jagd auf die beiden Frauen macht. Mit Jun Jong-seo (»Burning«), Kate Hudson (»Almost Famous«) und Craig Robinson.

Mona Lisa zu anspruchsvolle Kunstscheiße? Stripperinnen zu sehr primtive Fleischeslust? Wir wollen Entertainment! Und was gibt es für größeres Entertainment, leidschaftlich und fürs Herz, als den Schlager? In »Rimini« geht es genau darum, denn der runtergrockte Richie Bravo ist im titelgebenden Urlaubsparadies ist immerhin dort noch ein Star. Ulrich Seidl (»Hundstage«, »Im Keller«) ist zurück mit österreichischem Feel-Bad-Kino der Extraklasse und geht seine unbequeme Charakterstudie so unangenehm wie möglich an. Endlich mal wieder Kino, das wehtut, aber auf eine krude Art auch eine gewisse Komik und tiefe Menschlichkeit hat. Ein außergewöhnliches Monatshighlight und Pflichtfilm dieses Jahr. Traut euch und lasst uns gemeinsam im Kinosaal mitschunkeln (und singen)!

Jaja, ich gebe zu, das ist irgendwie die richtige Kunstscheiße. Damit ihr mir hier nicht weglauft, hier mal ein bisschen cooles Sci-Fi-Kino mit großen Bildern. »Vesper Chronicles« ist irgendwie ein Film aus dem Nichts, der plötzlich einfach da ist. Ein dystopischer Film über eine Welt mit zusammengebrochenen Ökosystemen, Biohackern und tentakeligen Raumschiffen. Kein Blockbuster, eher eine kleine abenteuerlich Fabel mit Endzeit-Poesie. Läuft hoffentlich irgendwo.

Während man dort in einer verwilderten Dschungel der Zukunft geht, reisen wir in »The Woman King« in die Vergangenheit. Inspiriert von wahren Ereignissen im Königreich Dahomey des 18. Jahrhunderts (heutiger Benin, Afrika). Dort geht es um die Rebellion der einheimischen Stämme gegen die französischen Invasoren. Besonders: An der Spitze der Kämpfer steht eine Frau (gespielt von Viola Davis). Für die, die Afrika nur aus »Black Panther« kennen, aber sich nicht ganz aus dem schützenden Reisebus Hollywoods rauswagen wollen, die Gelegenheit. Extrem gute Besprechungen, vermutlich Oscar-Kandidat.

Für die, die lieber reiche weiße Leute sehen wollen, kein Problem, Platinum-Schnecken-Preisträger Ruben Östlund (»The Square«, »Höhere Gewalt«) ist zurück und stellt die Schönen und Superreichen auf einer dicken Luxusyacht aus. »Triangle of Sadness« hat in Cannes trotz extrem kontroversen Besprechungen die Goldene Palme gewinnen können und ist für mich wohl der meisterwartetste Film des Jahres. Östlund sticht das erste Mal auf Englisch in See, nimmt aber Models, Millionäre, russische Oligarchen und einen besoffenen marxistischen US-Kapitän (Woody Harrelson) mit auf seine Kreuzfahrt. Eine ausschweifende Satire mit einer überall furios besprochenen Kotzorgie. Ahoi!

Zu bonzig? Na gut, genau zwischen Laufstegen und den hohen Gräsern Afrikas liegt DIE STRASSE. Und von genau da kommt das, was in unserer Blutbahn pumpt: Deutschrap. Fatih Akin (»Der goldene Handschuh«, »Aus dem Nichts«, »Tschick«) hat sich, nachdem man ihm sein Stephen-King-Projekt weggenommen hat, Xatars Autobiografie geschnappt und sie verfilmt. »Rheingold« erzählt von dem Lebensweg des Rappers vom Irak nach Deutschland, von Sozialbau ins Studio, vom kleinkriminellen Kokadeals zum ganz großen Goldraubcoup. Deutsche Rapperfilme waren bislang ziemlicher Bullshit, aber wenn einer der fähigsten und facettenreichsten Regisseure des Landes sich da dran macht, dann muss man sich das wohl schon mal reingönnen.

Nur noch mehr als Deutschrap lieben die Kidz drei Dinge: Horror, Partys und Knicklichter. Alles liefert die neue A24-Produktion »Bodies Bodies Bodies«. Slashercomedy über ein außer Kontrolle geratendes Partyspiel in einem abgelegenen Haus im Gewittersturm. Wird gefeiert als sehr origineller Turn in das ausblutende Genre, gefüllt mit lauter Nachwuchsstars. Um ein paar zu nennen: Amandla Stenberg (»The Hate U Give«), Maria Bakalova (»Borat 2«), Rachel Sennott (»Shiva Baby«) und Pete Davidson (»The King of Staten Island«). Schöner Spaß zu Halloween!

Kleine Notiz: Zu Halloween wird auch George A. Romeros »Die Nacht der Lebenden Toten« deutschlandweit wiederaufgeführt. Das Prequel zu »Dawn of the Dead« und der erste richtige moderne Zombie-Film überhaupt. Klassiker, muss man gesehen haben. Jetzt im schönen 4K!

Apropos Klassiker: Werner Herzog hat so einige Klassiker geschaffen, darunter einen meiner Top 4 Filme »Aguirre, der Zorn Gottes« mit Klaus Kinski. Ein unglaublicher Filmemacher, Abenteurer und Mensch, der den Dschungel bezwang, 3000 Affen entführte, von Bayern zu Fuß nach Paris gelatscht ist, im Interview angeschossen wurd und weiter gemacht hat und seinen Schuh on camera gegessen hat. Darum und um vieles mehr geht es in »Werner Herzog – Radical Dreamer«. Eine optimale Einstiegsdokumentation zum 80. Geburtstag des Meisters, um endlich Fan von seinem genialen Wahnsinn zu werden. Euer Kino-Korrespondent hat den Film natürlich schon in seiner Pressetätigkeit gesehen und die erste Review auf Letterboxd verfasst.

Ebenfalls schon von einem JFK-Mitglied wurde »See How They Run« geguckt, diesmal von Lina, unserer Lady in London. Bei Mrs. International konnte der Film nur mäßig für Begeisterung sorgen, doch ein launiger Abend sei dennoch garantiert. Die britische Krimikomödie liefert ein klassisches Whodunnit der alten Schule auf dem Londoner Theaterparkett der 50er. Zum Aufwärmen für das »Knives Out«-Sequel perfekt. Vor allem wenn Sam Rockwell (»Three Billboards Outside Ebbing, Missouri«, »Vice«), Adrien Brody (»Der Pianist«, »Grand Budapest Hotel«) und ganz besonders my Darling Saoirse Ronan (»Little Women«, »Lady Bird«) mitspielen. Leichte Kost, liegt aber eben auch nicht zu schwer im Magen.

So, das war das Kino. Nun zum Streaming. Im Schnelldurchlauf [*tiefes Einatmen*].

Wir müssen zwei Sachen aus dem September von Netflix nachholen, die ich einfach nicht auf der Karte hatte.

Da ist etwa »Zola«. Zwei Freundinnen machen einen überkandidelten Roadtrip zu einen Stripclub in Florida hin. Mit Riley Keough (»Mad Max: Fury Road«, »Logan Lucky«). Basierend auf einem 190-teiligen Twitterthread (!!!). Auch bekannt als: The Ultimate Internet-Age Tale Of Messy Bitches Being Extra (The Playlist).

In Venedig schon gesehen habe ich »Athena«. Brachiale Actionfront aus den französischen Banlieues. Ganz im Geiste von »La Haine« und Ladj Lys »Les Misérables« (nicht das Hugo-Musical), hoch-politisch, ein audiovisueller Molotow-Cocktail. Dicke Empfehlung. Mehr hier.

Dann kommen noch neu auf Netflix im Oktober der neue kreative Animations-Fantasy-Horror-Traum von Henry Selick (»The Nightmare Before Cristmas«) namens »Wendell & Wild«, an dem auch Jordan Peele (»Get Out«, »Us«, »Nope«) mitgeschrieben hat, kommt endlich zu uns, ebenso die mir noch etwas suspekte »Im Westen Nichts Neues« Auflage, bei der diesmal unter anderem Daniel Brühl, Albrecht Schuch (mehrfach nominiert für die Goldene Schnecke) und Devid Striesow in den Ersten Weltkrieg ziehen.

Auch in Venedig habe ich einen Amazon-Prime-Titel gesehen, nämlich das argentinische Gerichtsdrama »Argentina, 1985«. Wer von »The Trial of the Chicago 7« begeistert war, wird hier vollkommen weggeblasen. Mehr hier.

Auf Prime kommt auch noch was zum Lachen. Lena Dunham (»Girls«) hat das Kinderbuch »Catherine, Called Birdy« verfilmt. Dabei rausgekommen ist nun aber weniger ein Kinderfilm als eine schräge, eloquente über eine Teenagerprinzessin im Mittelalter, die nicht von ihrem Vater (der aus »Sherlock« und »Fleabag« bekannt Andrew Scott) an irgendeinen englischen Edelmann verheiratet werden will. Selten so entzückte Kritiken für ein Amazon-Original gelesen. Die kleine Hauptdarstellerin wird übrigens bald Ellie in der »The Last of Us«-Serie spielen.

Noch mehr Kind auf MUBI: Lucile Hadžihalilović hat einen Film namens »Earwig« gemacht über ein Mädchen, das Zähne aus Eis hat. Stylischer, atmosphärischer, gewohnt ultimativ enigmatischer Horrorstreifen von der französischen Exzentrikerin (übrigens die Frau von Gaspar Noé).

Wie gesagt, es steht viel an. Viel im Kino, einiges zuhause. Etwas aus allen Richtung für Menschen, die sich in alle Richtungen verstreuen. Bekanntlich geben die meisten das Kino in der Ferne völlig auf oder gehen in Mannheim dezidiert in den größten Trash und Blockbuster-Schmonz. Aber manche sind eben auch fleißig außerhalb des EU-Schengenraums und wappnen sich für den neuen Cronenberg (mehr dazu im nächsten Monat). Nehmt euch an Lina ein Beispiel und entdeckt neue Kinos, neue Menschen und neues Sofas. Vielleicht liegt irgendwo ein Snack auf dem Boden.

Ich möchte diese Preview aus Anlass mit Versen des deutschen Lyrikers Xatar beenden:

„Und plötzlich sind wir Cousis, Cousis, weil meine Moves machen aus Fuffis Hunnis. Sie wollen den Ruhm und die Groupies, Groupies, doch wo wart ihr, als ich Haps war auf Thunfisch, Thunfisch.“

Partissement und ein Happy Halloween

Ihr JFK-President

Kategorien
Movie

»Blond«

This event was held on the 8th of October | »Blond« scored 3 Genusspunkte | @JFK-Plaza


Hier spielt die Goldene-Schnecken-Preisträgerin Ana de Armas (»Knives Out«, »No Time to Die«) unter der Regie von Andrew Dominik (»Mindhunter«, »Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford«) die vielleicht größte weibliche Filmikone und das Sexsymbol, für das das Wort erfunden wurde: Marilyn Monroe (kennen die Kidz die Gute noch?). Nach dem gleichnamigen Mega-Roman von Joyce Carol Oates wird in »Blond« die Tragödie des It-Girls, der Schauspielerin und Präsidenten- wie Pulitzerpreisträgerverführerin im großen Stil erzählt. Der Film geriet schon vor längerem wegen zu expliziten Sexszenen in Kontroversen, jetzt hat er es aber auf die venizianische Weltbühne und demnächst in die weltweiten Wohnzimmer geschafft.

JFK-President
EINE PFÜTZE! ABBRUCH!! ICH WIEDERHOLE: MISSION ABBRUCH!!! BRINGT DIE FRAU HIER RAUS!!!!!!!11
Trailer zu »Blond«