12th of July 2021 | »First Cow« scored 7,81 Genusspunkte | @ JFK-Plaza 1
Kelly Reichardt ist schon seit Jahren als die wohl bedeutendste amerikanische Filmemacherin der Gegenwart etabliert. Dabei sind weder ihr Stil noch ihre Sujets besonders spektakulär. Naturausflüge, Hunde und jetzt eben Kühe. Beziehungsweise nur eine Kuh, die bildet das Zentrum in Reichardts intimer Anti-Western-Fabel im rauen Grün, jenseits von rauchenden Colts und kreisenden Lassos. Mit ihrem lakonischen Minimalismus öffnet die Regisseurin immer wieder Fenster zu Lebenswelten, die man kennt, aber doch übersieht. Sie bringt die nächste Nähe mit ihre humanistischen Poesie wieder zum Leuchten. Ein schlichter Glanz, der aber feiner funkelt als jeder Goldnugget.
This event was held on the 4th of May 2021 | »Der Schüler« scored 7,5 Genusspunkte | @ JFK-Plaza 1
“The Disciple” is a great example of when filmmaking and acting styles complement each other, and it’s that bond that feels to be a significant part of what makes Tamhane’s film so special, so resonant.
In the unsentimental reality of Tamhane’s film, it is incredibly devastating, and honest.
Nick Allen in RogerEbert.com
Das indische Bootleg vom Lüneburger Erfolgsformat „Johanneum geht auf die Bühne“ mit Marcujit Tanpuramann an der Sitar.
This event was held on the 3rd of May 2021 | »Der Maulwurf – Ein Detektiv im Altersheim« scored 6,8 Genusspunkte | @ JFK-Plaza 1
As much as “The Mole Agent” relishes the amusement baked into its scenario, Alberdi allows the reality of the setting to take hold — teary admissions of loneliness pierce the proceedings, followed by flashes of anger and even death, as Sergio’s diary entries grow more introspective and the referential genre flourishes give way to real life. “The Mole Agent” may not look like a documentary, but it builds to a poetic finale enmeshed in emotional authenticity.
Eric Kohn in IndieWire
JFK-Jahrestreffen 2081, handkolloriert (Bild großzügigerweise zur Verfügung gestellt vom BauCons-Future-Insight-Management)
This event was held on the 7th of May 2021 | »Atlantis« scored 7,93 Genusspunkte | @ JFK-Plaza 1
Damals bei der Premiere in Venedig wurde »Atlantis« wahnsinnig gefeiert, von den Kritikern einstimmig bejubelt und auch direkt mit dem Hauptpreis in der Orizzonti-Reihe für innovatives und originelles Kino ausgezeichnet. Der Film siedelt sich 2025 in der ostukrainischen Postapokalypse nach einem langen Krieg mit Russland an und erzählt von einer Spezialorganisation in jener düsteren Zukunft. Wirkt visuell sehr einnehmend, rau und grimmig, gleichwohl aber eben auch höchst spannend. Ein überaus politischer wie künstlerischer Film, der aber gleichwohl immer tiefer in seinen Bann zieht. Also warm anziehen und auf Härte sowie lange Einstellungen gefasst machen, dafür aber auch eines der visionärsten Werke des Jahres bestaunen.
Joris
Auch in der Postapokalypse sorgt Baumannconsulting für Service. Jetzt Osteuropa mit Pool und Kamin für nur 333€ buchen!
This event was held on the 11th of June 2021 | »Shiva Baby« scored 7,75 Genusspunkte | @ JFK-Plaza 1
Bereits bei seiner Premiere auf dem Toronto-Festival konnte sich die jüdisch-queere Komödie als Kritiker- wie Publikumsliebling etablieren. Im Zentrum steht eine junge Studentin, die bei einer Shiva, einer jüdischen Trauerfeier, den unerträglichen Wirren von Familie, Ex-Partnerinnen und Sugar-Daddies ausgesetzt ist. Kleine, kurze, turbulente Komödie mit exzellentem Ensemble und viel trocken-sarkastischem Chaos, gewürzt mit viel sexuellem Pfeffer und ordentlich typisch jüdischem Humor.
Joris
When he tells you the MS is alle and you have to chew your fucking dry Schnittchen without the juicy splashyness of everyone’s favourite BauCons-Cocktail.
This event was held on the 9th of April 2021 | »Songs My Brothers Taught Me« scored 6,785 Genusspunkte | @JFK-Plaza 1
Chloé Zhao ist vermutlich eine der spannendsten neuen Stimmen im akmerikanischen Indie-Kino. Zauberhafte Bilder des Mittleren Westens, getränkt von der Hoffnungslosigkeit der sozialen Not, gleichwohl aber auch erfüllt von dem unbrechbaren humanistischen Glanz dieser viel zu oft übersehen Menschen. Eine poetische wie authentisch klare Filmemacherin, die gerade in der Kargheit die leuchtendste Magie für ihre Leinwand findet.
Joris
„Ey yo Sis‘, ich kenne da so ’nen total coolen unbekannten Track von so ’nem Upcoming-Artist. ‚Oldtown Road‘, ist so ’ne Art Geheimtipp, die ich entdeckt habe. Holt mich voll ab.“
»Malmkrog« scored 7,5 Genusspunkte | This Each (wo)man for themselves-event was held until the 16th of April
Da unterhalten sich fünf russische Adlige 200 Minuten lang auf Französisch über Nietzsche und Tolstoi.
Ich hab zum ersten Mal nach 110 Minuten auf die Uhr geguckt.
Tino Hahn bei Kino+
Krieg und Frieden an der gedeckten Tafel bis Zarathustra spricht und selbst der höflichste Übermensch zum Antichristen wird und der Gott des Gemetzels auf seinem Turiner Pferd die Wahrheit sieht, sie aber nicht sogleich sagt. Dazu Portwein.
Auch dieses Jahr informiert Sie Baumannconsulting umfassend über die wichtigsten Filmfestivals mit allen Glamour und Skandalen. Den Anfang dieser Round-Up-Reports macht die Berlinale, welche Anfang März dieses Jahres ihr Programm zumindest für Industrie und Presse zugänglich gemacht hat.
Großes Highlight des diesjährigen Wettbewerbs dürfte wohl „Bad Luck Banging or Loony Porn“ vom Rumänen Radu Jude (Gewinner der Goldenen Schnecke 2019) sein. Nicht nur soll die Satire auf das rumänische System während der Coronapandemie laut Trailer besser als der neue Bond sein (Fakt.), sondern konnte auch den Goldenen Bären, den Hauptpreis des Festivals gewinnen. Sehr schrill, exzentrisch, wütend und gegen jedes Tabu. Laut dem Regisseur war das erotische Nachtpogramm von RTL stilprägend für den Film. Das nun also heiß erwartete Meisterwerk hält es also wie Baumannconsulting: Sex sells.
Trailer zu „Bad Luck Banging or Loony Porn“
Mindestens genauso heiß erwartet dürfte wohl „Petite Maman“ sein, der neue Film von Céline Sciamma („Porträt einer jungen Frau in Flammen“) sein. Zwar nicht pärmiert aber doch von allen Kritikern durchweg gefeiert erzählt das kleine Mutter-Tochter-Drama über Verlust, Freundschaft und Abenteuer im Wald. Eine einfache, bezaubernde Coming-of-Age Geschichte, deren Stille und Schlichtheit gerade ihre Magie evoziert.
Ebenfalls nicht ausgezeichnet wurde ein Favorit aus Deutschland. Dominik Graf trat dieses Jahr mit seiner Erich Kästner Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ an. Erzählt wird die Geschichte eines Werbetexters im Berlin der 1920er, gespielt von Tom Schilling. Durch den epischen dreistündigen Maßstab der Literaturverfilmung lässt sich hier wohl ein ähnlich ambitioniertes Projekt wie bei „Berlin Alexanderplatz“ erwarten, da nicht zuletzt auch Albrecht Schuch, damals der furiose Reinhold, wieder dabei ist.
Trailer zu „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“
Ebenfalls aus Deutschland stammen zwei weitere Werke, die im Wettbewerb Renomée und sogar Auszeichnungen sammeln konnten. Zum einen die dokumentarische Studie „Herr Bachmann und seine Klasse“ über eine Grundschulklasse und ihren Lehrer in der deutschen Provinz (ausgezeichnet dem Preis der Jury, quasi der Bronzemedaille), zum anderen „Ich bin dein Mensch“ von „Unorthodox“-Regisseurin Maria Schneider. Letzterer ist eine deutsche Sci-Fi-Komödie über eine Frau, die im Rahmen einer Studie mit einem Androiden eine Beziehung anfängt. Mit dabei Maren Eggert, die als Beste Darstellerin ausgezeichnet wurde, und Sandra Hüller („Toni Erdmann“).
Auch deutsche Beiträge sind „Nebenan“ und „Blutsauger“. Ersterer ist das Regiedebüt von Schauspieler Daniel Brühl („Inglorious Basterds“, „Good Bye Lenin!“), soll ganz nett sein, aber wahrscheinlich kein großes Tennis. Eine kleine selbstreflexive Komödie über einen erfolgreichen Schauspieler in der Krise. Der andere Film ist schon deutlich interessanter. „Blutsauger“ ist eine marxistische Vampirkomödie, welche eine Nutzerin auf Letterboxd folgendermaßen beschreibt: If Buñuel ran a podcast about Twilight and Rosa Luxemburg. Was will man denn mehr?
Trailer zu „Blutsauger“
Ansonsten fanden sich im Wettbewerb noch zwei interessante Ostasiaten. Der Japaner Ryusuke Hamaguchi erhielt für seinen neuen Film „Wheel of Fortune and Fantasy“ den Großen Preis der Jury, gewissermaßen die Silbermedaille. Aus Südkorea kommt „Introduction“, welcher mit dem Preis für das Beste Drehbuch ausgezeichnet wurde. Beides wohl ruhigere, intelligent-pointierte Liebesdramen mit mehr Dialogen als Action, zur nachdenklichen Entspannung aber zu Abwechslung auch ganz schön. Mein persönlicher Liebling Hong Sang-soo, der koreanische Regisseur, bedankte sich mit diesem niedlichen Schneckchenvideo:
It may sound odd to say this about a thank you message: But if you like snails, you'll love this! Only the great Hong Sangsoo can deliver thanks like this. Today, he received the Silver Bear for Best Screenplay for "Introduction". #Berlinalepic.twitter.com/kcXPQr3zyi
Weitere heiße Kandidaten kommen aus dem näheren Osten. Da ist natürlich der obligatorische Beitrag aus dem Iran, namens „Ballad of a White Cow“. Erneut ein kleines, bitteres Moraldrama à la „Man of Integrity“ oder „Yalda“ über die Kalamitäten den iranischen Systems, diesmal mit der Todesstrafe im Zentrum.
Trailer zu „Ballad of a White Cow“
Ähnliches kommt mit „Memory Box“ aus dem Libanon, wenn auch etwas sanfter und kecker. Eine leichtfüßige Reflexion über Trauma und Erinnerungen mit politische Subtext. Noch interessanter wird es etwas nördlicher mit Blick auf „Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?“. Die georgische Liebesgeschichte wird in höchsten Tönen gefeiert und umspielt in seinen poetischen Bildern die Herzen jedes Cinéphilen.
Trailer zu „Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?“
Zwei Auszeichnungen gingen noch nach Ungarn. Den Silbernen Bären für die Beste Nebenrolle erhielt „Forest – I See You Everywhere“, ein Episodenfilm über den Budapester Alltag. Beste Regie ging an „Natural Light“, einen Kriegsfilm über eine Partisanengruppe in der Sowjetunion des Zweiten Weltkriegs. Die Presse äußerte sich jedoch eher zurückhaltend.
Trailer zu „Natural Light“
Ein letzter Preis ging noch gen Mexiko an „A Cop Movie“, eine Netflixproduktion, die für herausragende künstlerische Leistung ausgezeichnet wurde. Eine experimentelle Dokumentation über Polizeialltag in Mexiko, bei denen zwei professionelle Schauspieler in Uniformen schlüpfen, um das System zu durchleuchten.
Ansonsten gibt es noch defitges Genregulasch aus den Nebenreihen. Mit „Limbo“ gibt es düsteren Neo-Noir aus Hongkong im „Sieben“-Style, einen bildgewaltigen Sci-Fi-Thriller aus Deutschland in Form von „Tides“ und drei hochinteressante Horrorstreifen namens „The Beta Test“, „The Scary of Sixty-First“ und „Censor“. Wobei es wahrscheinlich besser ist, sich weniger über Handlungsdetails zu informieren.
Trailer zu „Limbo“
Trailer zu „Tides“
Aus den Nebenreihen gibt es ansonsten noch abschließend ein paar weitere Titel, die man im Blick behalten sollte. Da ist zum einen „Ted K“, der das Psychogramm des Unabombers auf die Leinwand bringt. Ebenfalls hoch gelobt wurde das türkische Sozialdrama mit „Brother’s Keeper“ mit herausragenden Kinderdarstellern. Genauso die Dokumentation „Nous“ über die gesellschaftlichen Ränder der französischen Gesellschaft, ausgezeichnet als Bester Film der Encounters Sektion. Dort erhielten auch zwei Film Regiepreise. Zum einen der kanadische Kostümfilm „Hygiène sociale“ vom berüchtigten Exzentriker Denis Côté und zum anderen „Das Mädchen und die Spinne“ aus Deutschland, ein kleiner, feiner Streifen über die Wirren des Umziehens.
Trailer zu „Das Mädchen und die Spinne“
Ein paar Filme haben sogar auch schon ein Startdatum:
Ich bin dein Mensch: ab 17. Juni 2021 im Kino
Das Mädchen und die Spinne: ab 24. Juni 2021 im Kino
Fabian oder der Gang vor die Hunde: ab 1. Juli 2021 im Kino
Herr Bachmann und seine Klasse: ab 16. September 2021 im Kino
Das war es soweit aus der Hauptstadt. Insgesamt eine überaus zufriedenstellende Berlinale mit starken Filmen und zufriedenstellendem Gewinner. Am meisten freut sich meine Wenigkeit auf „Bad Luck Banging“, „Petite Maman“ und „Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?“. Villeicht bekommen wir sie schon dieses Jahr noch zu sehen. Erster und Letzterer haben sogar schon einen Verleih. Äußern auch Sie gerne Ihre Favoriten oder Fragen in den Kommentaren. Bis dann zum Juli, wenn wir uns zum Cannes Filmfestival wiedersehen, vermutlich mit Wes Anderson!
This event was held on the 23rd of July 2021 | »Der Rausch« scored 7,76 Genusspunkte | @ Scala
Thomas Vinterberg ist zurück. Nach »Die Jagd« hat der ehemalige Dogma95 Regisseur auch wieder Mads Mikkelsen (»Hannibal«) im Schlepptau, dessen darstellerische Leistung in diesem neuen Werk bereits vielfach gerühmt und prämiert wurde. Insgeamt darf sich »Der Rausch« bereits einer Vielzahl von Auszeichnungen erfreuen und ist geradewegs auf Oscarkurs. Und das, obowohl die dänische Satire mit der Prämisse einer Gruppe daueralkoholisierter Lehrer alles andere als der gewohnte Drink ist. Lustig trunken und doch mit einer bitterbösen Note auf der Zunge, den schmerzahft-tragischen Kater schon erwartend, tanzt sich der Film berauscht auf die Liste der heißerwartetsten Titel des Jahres.
Joris
Mit dem neuen Doppel-LO wird auch dein Abiball erträglich
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